Star Trek VI: Das unentdeckte Land

Originaltitel: Star Trek VI: The Undiscovered Country
Crew: TOS-Crew
Nebenrollen: Mark Lenard als Sarek
David Warner als Kanzler Gorkon
Christorpher Plummer als Chang
Kim Cattrall als Lt. Valeris
Jahr: 1991
Regie: Nicholas Meyer
Musik: Cliff Eidelman

Inhalt:
Die USS Excelsior entdeckt bei einer Routinemission im Beta-Quadranten eine starke Subraumschockwelle. Diese rührt, wie sich herausstellt, von einer massiven Explosion im klingonischen Raum her.
Scheinbar gab es einen "Zwischenfall" auf dem Mond Praxis, dem Standort der klingonischen Hauptenergieversorgung. Von dem Mond ist nach einer Analyse nicht viel übrig geblieben, als die Klingonen sich melden und die Excelsior auffordern sich im Rahmen der Verträge nicht einzumischen.

Auf der Erde gibt es später eine geheime Konferenz, bei der sich herausstellt das grobe Fahrlässigkeit zu dem schwerwiegenden Vorfall auf Praxis führte, der das Klingonische Imperium in eine wirtschaftliche Krise stürzte. Auf Grund dessen gab es unter der Hand bereits Gespräche zwischen der klingonischen Regierung und dem neuen "Sonderbotschafter der Föderation" - Captain Spock. In der Konferenz will man, dass Kirk als alter Patriot der Sternenflotte den Klingonischen Kanzler Gorkon mit seinem Schiff durch den Föderationsraum für öffentliche Gespräche zur Erde eskortiert.
Kirk hat keine andere Wahl den Auftrag im Interesse der Föderation, trotz seiner Antipathie gegenüber den Klingonen, anzunehmen. An Bord der Enterprise vereinigt sich kurz vor Ihrer Pensionierung also noch einmal die gesamte "alte" Crew, außer Sulu, welcher die Excelsior kommandiert, der Enterprise für den Aufbruch, um ihrer Föderation den letzten großen Dienst zu erweisen. Dazu stößt noch ein Offizier, welcher Sulus Platz einnimmt: Lt. Valeris, eine Schülerin Spocks. Die Enterprise trifft sich erfolgreich mit der "Kronos 1", und Kirk bittet, der Form wegen, den Kanzler und seinen Stab an Bord, um mit den Führungsoffizieren zu Abend zu essen. Valeris, schlägt dem Captain vor, den Abend mit romulanischem Ale etwas zu lockern. Im Transporterraum stellen sich Gorkon und seine Leute vor.
Darunter ist auch ein Mann der selbst für klingonische Verhältnisse recht merkwürdig wirkt: General Chang, Stabschef. Der Klingone äußert besonderes Interesse an Kirk und tituliert sich und ihn selbst als "kalte Krieger", die keine freundlichen Floskeln nötig hätten.

Auch zu Tisch verhält sich Chang sehr abstrakt. Nachdem die Crew und die Gäste auf "das unentdeckte Land - Die Zukunft" anstießen entbrennt eine Diskussion über die Beziehung zwischen Menschen und Klingonen. Der Ruin geht an dem stolzen Volk mehr als unsanft vorbei, sie wollen nicht einsehen, dass sie vorübergehend abhängig sind, wenn sie eine friedliche und ressourcenschonende Lösung für ihr Problem finden wollen. Es stellt sich heraus, dass Chang, ähnlich wie Kirk, einen Hang zur irdischen Literatur, im speziellen zu den Werken von Shakespeare, zu haben scheint.
Auch im Transporter beim Abschied zitiert er wiederholt u.a. Romeo und Julia.

Der Abend scheint sich seinem Ende zu nähern, als Kirk jedoch von Spock auf die Brücke gerufen wird.
Dieser hat erhöhte Neutrino-Emissionen unterhalb der Enterprise entdeckt. Kurz darauf müssen die beiden beobachten wie die Kronos 1 scheinbar von der Enterprise mit einem Photonentorpedo angegriffen und beschädigt wird Niemand ist sich im Klaren, wie das passieren konnte, als plötzlich eine weiterer Torpedo in die Kronos 1 einschlägt und das Schiff scheinbar manövrieruntauglich macht.
Auf dem Schiff fällt die künstliche Schwerkraft aus und zwei Männer in Schutzanzügen der Sternenflotte und magnetischen Stiefel beamen bewaffnet an Bord der Kronos 1. Sie schießen sich scheinbar gezielt den Weg durch klingonische Besatzungsmitglieder frei, als sie den Kanzler erreichen und mit einem Schuss umbringen. Auf der Enterprise versucht man nun herauszufinden, ob die Enterprise die beiden fatalen Schüsse abgegeben hat, doch das Photonentorpedomagazin ist scheinbar noch voll bestückt. General Chang schwört über ein Communicè Rache und warnt den Captain die Tat zu leugnen. Doch Kirk will in dieser Situation einen bewaffneten Konflikt vermeiden und beamt sich zusammen mit Pille auf die beschädigte Kronos 1.

Sie werden von Wachen zu dem Raum des Kanzlers gebracht, wo McCoy verzweifelt versucht das Leben des wohl zu diesem Zeitpunkt wichtigsten Mannes im Quadranten zu retten. Gorkon ist jedoch nicht mehr am Leben zu halten und die beiden Offiziere werden prompt abgeführt. Die Sternenflotte wird darüber informiert, dass Kirk und McCoy des Mordes an dem Kanzler angeklagt werden und deswegen vor Gericht ein Verfahren über sich ergehen lassen müssen. In einem inszenierten Schauspiel werden die beiden beschuldigt sowohl auf die Kronos 1 geschossen, als auch zwei Attentäter auf das Schiff gebeamt zu haben, die den Kanzler vorsätzlich ermordet haben sollen.
In der akribischen Auflistung der Ereignisse von Chang, welcher die Anklage führt, erwähnt dieser auch eine Gravitationsausrüstung, die die Mörder getragen haben sollen. Spock veranlasst daraufhin auf der Enterprise das Schiff nach zwei paar Gravitationsstiefeln zu durchsuchen. Nach kurzer Zeit werden dann die Stiefel gefunden, jedoch waren diese nur in einem anderen Schrank versteckt worden um von den wahren Tätern abzulenken. Spock befiehlt, die Suche auf die Schutzanzüge auszuweiten. Das gesamte Schiff wird auf den Kopf gestellt. Und jetzt finden sich auch die Uniformen der Attentäter.

Die Enterprise wird aber aufgefordert, zur Sterneflotte zurückzukehren. Der Vulkanier weiß aber, dass die Mörder nur auf das Docking in einer Raumstation warten, um unbemerkt von Bord gehen zu können und alle Spuren zu verwischen, die die waren Drahtzieher entlarven könnten. Er veranlasst auf die Rufe nicht zu reagieren.
Währendessen ist Azetbur, Gorkons Tochter, zum neuen obersten Kanzler der Klingonen ernannt wurden. Sie will die politische Linie fortsetzen, für die ihr Vater so sehr gearbeitet hat.
Sie empfiehlt in einem Communicè an den Präsidenten der Föderation jedoch, die Verhandlungen über ein Abkommen auf einen anderen, noch geheimen, Ort zu verlagern, um weiteren Anschlägen entgegenzuwirken. Kirk und McCoy, die natürlich für schuldig befunden wurden, werden in der Zwischenzeit zur Gefangenschaft auf dem Strafasteroiden "Rura Penthe" verurteilt.

Mitten in einer schier unüberwindbaren Eiswelt liegt ein Arbeitslager, auf dem der Abschaum der Galaxis unter den rücksichtslosen klingonischen Wärtern Dilithium schürfen müssen. Bereits in den ersten Minuten legt sich Kirk mit einem der Insassen an und kann diesen nach einem kurzen Geplänkel wieder in die Schranken weisen. Sie werden daraufhin von einer "Knast-Schönheit" angesprochen, die sich selbst als Martia ausgibt.
In einer Nacht schleicht sie sich zu Kirk und erzählt ihm, dass es eine Möglichkeit gäbe zu fliehen, wenn sie sich am nächsten Morgen umgehend treffen würden. Den Offizieren bleibt nichts anderes übrig, als auf ihr Angebot einzugehen. Tatsächlich gelingt es den Ausbrechern das Gefängnis zu verlassen genauso, oder noch schwerer, gestaltet sich aber die Überwindung der Eiswüste. Die drei müssen eine Sicherheitsbarriere, die weit außerhalb des Gefängnisses liegt, erreichen um mit anderen Schiffen Kontakt aufzunehmen. Trotz McCoys Zweifeln ist sich Kirk sicher, dass Spock die beiden aufnimmt.
Er erwähnt erst jetzt, dass Spock ihm, kurz bevor sie die Enterprise verließen, ein Iridium-Pflaster auf die Schulter geklebt hat, womit er sie mehrere Parsecs weit orten kann. Martia entpuppt sich aber als angeheuerter Lockvogel für ein Exekutionskommando der Klingonen, die vermutlich versuchten Kirk und McCoy unbemerkt in Jenseits zu befördern. Kurz bevor die beiden an Bord der Enterprise gebeamt werden, will der Anführer der Klingonen erste Namen der offensichtlichen Separatisten preisgeben, die einen Friedensvertrag zwischen Klingonen und der Sternenflotte verhindern wollen.

Erzürnt stürzt sich Kirk an Bord wieder an die Arbeit, um endgültig Licht in diese Verschwörung zu bringen. Spock erzählt dem Captain, dass sich die Attentäter noch an Bord des Schiffes befinden und nicht die Enterprise die Torpedos abgefeuert hat, sondern ein getarntes Schiff, vermutlich ein neuartiger Bird of Prey, welcher sich unter der Enterprise befand. Noch auf dem Weg zur Brücke stoßen Spock, McCoy Scotty und der Captain auf zwei Leichen. Diese wurden von mehreren starken Betäubungsschüssen erledigt, da sonst der Alarm den Mörder erkannt hätte.
Mit einer List versuchen Spock und Kirk den Killer zu identifizieren, indem sie vortäuschen die beiden Crewmen, die offensichtlich die Gorkon-Attentäter sind, seien nicht Tot und würden um einen Protokolloffizier auf der Krankenstation bitten, um eine Aussage zu machen. Die List gelingt und Valeris stellt sich als der wahre Kollaborateur heraus. Sie verrät unter dem Einfluss einer Geistesverschmelzung mit Spock weitere hohe Mitglieder der Separatisten, u.a. General Chang und Admiral Cartwright. Kirk nimmt mit der Excelsior den Kontakt auf, um sich nach dem Standpunkt der Verhandlungen zu erkundigen. Sulu verrät Kirk das die Verhandlungen jetzt auf Kithomer geführt werden und in Kürze beginnen.

Beide Captains setzen einen Kurs. Es scheint fast zu spät, als die Enterprise als erste im Orbit um Khitomer zusätzlich von Changs getarntem Bird of Prey unter Feuer genommen wird. Kirk kann nichts weiter machen, als ein paar psychologische Tricks anzuwenden, um Chang etwas in die Irre zu führen. Im letzten Moment kommt die Excelsior zu Hilfe und lenkt das Feuer auf sich, während McCoy und Spock einen Torpedo umrüsten, der die Neutrinosignatur des Bird of Prey orten und ihn vernichten kann. Chang kann besiegt werden und die Crew beider Schiffe beamen sich mitten in die Konferenz um die Attentäter aufzuhalten und zur Rede zu stellen.
In einer letzten wehmütigen Sequenz trennen sich die Wege der Excelsior und der Enterprise und uns wird eine letzte Gelegenheit gegeben sich von der Ur-Besatzung zu verabschieden.

Kritik:
Ohne Zweifel handelt es sich bei Star Trek 6: The Undiscovered Country, sowohl inhaltlich als auch visuell, um einen der besten Filme des Star Trek-Universums bzw. des SciFi-Genres. Dieser Film vereint so viele Nuancen, die ihn sowohl für Trekkies als auch für Nicht-Fans sehenswert und verständlich machen. Da Nick Meyer wieder im Regiestuhl Platz nahm, erhielt des Universum wieder die militärischen und düsteren Stilelemente aus Star Trek 2, vermischt mit der Technologie und dem Look aus Star Trek 5 bzw. TNG.
Tatsächlich ist Star Trek 6 die richtige Weiche zwischen der klassischen Star Trek-Zeit und der modernen TNG-Periode. Erst jetzt, am Ende dieses Abschnittes von Star Trek zeichnet sich ein Erwachsenwerden der klassischen Besatzung ab. Mit dem Charme der 60er und dem visuellen und technischen Know-how der 90er hat Nick Meyer die Kirk-Crew zielsicher in einen glaubhaften Hafen innerhalb des Universums manövriert.

Aber was hat den 6. Film über die Grenzen des Fandoms hinaus erfolgreich gemacht? Die Story von Star Trek 6 traf wie keine anderer Star Trek-Film zuvor den Nerv der realen weltpolitischen Situation, ohne sich richtig mit unserer Realität zu identifizieren. Anfang der 90er Jahre fiel der Eiserner Vorhang, die UdssR war wirtschaftlich und sozial am Ende. Erstmals näherten sich die westlichen und östlichen Weltmächte, nach Jahren des Misstrauens und der Feindseeligkeit, nüchtern aufeinander zu. Ähnlich ist auch die Situation in ST 6. Die Sternenflotte versucht sich auf friedlichem Wege den bisher immer feindlichen Klingonen zu näheren, die durch den Kollaps auf Praxis wirtschaftlich in die Knie gezwungen wurde. Erstmals zeigen auch die Klingonen Interesse an dauerhaften Gesprächen mit der Sternenflotte. Der Film vermittelt zum einen die Stimmung eines Aufschwungs, zum anderen gekonnt den Rücktritt der alten Crew. Noch nie war ein Star Trek-Film so politisch angelehnt. Ist das das tatsächliche Geheimrezept? Scheiterte deswegen z.B. der Vorgänger Star Trek 5.
Vielleicht an mangelnder intellektueller Tiefe? Die Antwort lautet "nein". Das die politische Situation ähnlich, ja auf die ein oder andere Weise fast deckungsgleich, mit den Ereignissen in "unserem" Universum waren ist ein brillanter Einschlag neben vielen anderen Film.

Ich denke eher, dass die vielen frischen inhaltlichen Elemente gerade diesen letzten Film der klassischen Ära besonders wirken lassen. Die Sternenflotte ist eben doch nicht Lupenrein, und auch die knallharten Klingonen können sich vor höherer Gewalt nicht schützen. Das wir zudem eine Briese Kriminalfilm haben, macht das Ganze neben der Action umso spannender. Nick Meyer hat es zudem erstklassig verstanden, allen Situationen und den beiden Haupthandlungssträngen das richtige Timing zu verpassen.

Gegenüber dem Vorgänger konnte sich auch ILM wieder um die, für diese Zeit mal wieder authentischsten Special Effects kümmern, die es je gab. Der Film setzte im Gebiet der Tricktechnik wieder einige Maßstäbe.
Zentrales Element ist aber bei aller Action und Tricktechnik immer noch ein Thema, welches wir bereits seit Star Trek 2 mehrmals in den Filmen behandelten. Und auch hier wieder ein "typischer Nick Meyer". Die Philosophie über das Älterwerden einer glorreichen Generation. Männer wie Kirk kommen in die Jahre. Besonders in der Rura Penthe-Szene in den Kojen wird deutlich, dass die Ur-Besatzung endgültig abtritt. Das aber, und das muss ganz deutlich vermittelt werden, nicht um des Alters willen sondern, um einer neuen Generation und einer neuen Denkweise Platz zu machen. Übergeordnet also Platz für TNG und ein modernes Star Trek. Und hier liegt der Knackpunkt.
Genau das unterscheidet speziell Star Trek 6 von dem jüngsten zehnten Film. Nach TOS und den Classic-Movies kamen TNG (welches bereits mehrere Jahre sehr erfolgreich und etabliert war) und der dritte Spin-Off DS9, welcher wohl in der Folgezeit des Filmes bereits ins Gespräch kam. Was aber kommt konkret nach Star Trek 10? Momentan kann man nicht wirklich mit Sicherheit in die Zukunft von Star Trek schauen.
Damals konnte man das, und deswegen ist Star Trek 6 nicht umsonst einer der gelungensten Filme der Reihe!

(c) by Benjamin Sommer