Lieber Doktor

Originaltitel: Dear Doctor
 
Staffel: 1
 
Note: 2+
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Der Tag beginnt wie jeder andere auf der Krankenstation. Doktor Phlox füttert seine "Haustiere" und freut sich des Lebens. Plötzlich kommt Hoshi herein und bringt ihm einen Brief vorbei. Dieser stammt von Dr. Lucas, einem Kollegen, der auf Denobula praktiziert. Dr. Lucas erzählt in seinem Brief davon, dass auf Denobula die Paarungszeit begonnen hat, und er deshalb eine stressige Woche hatte. Phlox beginnt natürlich sofort damit eine Antwort zu verfassen. In dieser geht er auf die verschiedenen Besonderheiten ein, die ihm bei den Menschen aufgefallen sind. Vom Fakt, dass sie sich langsam an einen außerirdischen Doktor an Bord gewöhnen, bis hin zu seiner Verwunderung darüber, dass ein Mensch eine so starke emotionale Bindung zu einer niederen Lebensform eingehen kann. Zweifellos spricht er damit Archer und Porthos an, die die Krankenstation an diesem Morgen aufgesucht hatten. Am Abend besucht Phlox zusammen mit Crewman Cutler eine Filmvorführung und nutzt diese Gelegenheit, um das menschliche Verhalten gegenüber fiktionalen Charakteren zu beobachten. Nach dem Film bringt Phlox Cutler zurück zu ihrem Quartier. Gerade als er sich verabschieden will, beginnt sie ein neues Gespräch und dankt ihm für den netten Abend. Gleichzeitig lädt sie ihn zu einem Film in der nächsten Woche ein und gibt ihm einen Gute-Nacht-Kuss.

Am nächsten Tag entdeckt die Enterprise ein Schiff, das im All treibt. Es wird als Prä-Warp identifiziert. Als zwei schwache Lebenszeichen an Bord geortet werden, wird das Schiff in den Hangar und die Besatzung auf die Krankenstation gebracht.
Als diese wieder zu Bewusstsein kommen, erzählt einer der beiden Neuankömmlinge, dass seine Spezies an einer tödlichen Krankheit leidet, die das Volk langsam aber sicher ausrotten könnte. Sie sind nun ausgezogen, um andere Spezies mit Warptechnologie zu treffen, die möglicherweise eine Heilungsmethode haben. Erstaunt fragt T'Pol nach, ob ihr Volk denn schon Kontakt zu anderen Spezies hergestellt hat. Der Fremde antwortet, dass die Meglaxa und die Ferengi schon auf ihrer Welt waren, aber beide haben keine Heilung gefunden. Nun erhoffen sie sich von der Crew der Enterprise Hilfe.
Nach einem kurzen Beratungsgespräch mit T'Pol entschließt sich Archer dazu, die Welt der Fremden zu besuchen. Dort angekommen berät sich Phlox mit dem leitenden Mediziner in einem der Krankenhäuser. Dieser Teilt ihm mit, dass, egal was man bisher versucht hat, die Krankheit immer wieder mutiert ist und gegen die Antikörper resistent wird. Kurz darauf entdeckt Hoshi, dass auf dem Planeten zwei verschiedene humanoide Arten überlebt haben. Da wären zunächst die Valakianer - die Spezies, zu der auch die Besatzung des Raumschiffs gehört. Und dann gibt es da noch die Menk. Diese sind weniger entwickelt als die Valakianer. Archer ist sichtlich überrascht darüber, hat es doch auf den anderen Planeten, die er bisher besuchte, immer nur eine humanoide Spezies geschafft sich im Laufe der Evolution durchzusetzen. Als Phlox nachfragt, ob die Menk ebenfalls an der Krankheit leiden, verneint dies der leitende Mediziner. Laut seiner Aussage sind die Menk immun.

In den folgenden Tagen versucht Phlox geeignete Heilungsmethoden zu finden und nutzt dabei auch die Hilfe von Crewman Cutler.
Wenig später findet Phlox heraus, dass die Krankheit nicht durch einen Virus oder eine Bakterie verursacht wird, sondern durch einen genetischen Defekt, der seit Jahrtausenden unbemerkt seine Arbeit verrichtet. In den letzten Jahrhunderte jedoch, ist dieser Defekt mutiert und dezimiert die Bevölkerung jetzt schneller als jemals zuvor. Da Phlox kein Heilmittel finden kann, gibt er den Valakianern noch höchstens 200 Jahre. In der Hoffnung vielleicht doch noch ein Mittel zu finden, untersucht Phlox die Menk, deren Immunität gegen die Krankheit vielleicht der Schlüssel zur Heilung sein könnte.
Während er die Menk untersucht, kommt es zur Aussprache mit Cutler. Phlox hatte in der letzten Zeit bemerkt, dass sie sich anscheinend zu ihm hingezogen fühlt. Als er ihr erklärt hat, dass es auf Denobula ziemlich normal ist, dass eine Person jeweils drei Ehemänner bzw. Frauen hat, reagiert Cutler ein wenig geschockt. Sie sagt Phlox, dass sie nur seine Freundin sein möchte und abwarten will, wie sich die Dinge entwickeln.

Kurz darauf wird Archer in das Krankenhaus bestellt, in dem der Pilot untergebracht ist, den die Enterprise aufgefunden hatte. Da Phlox offensichtlich keine Heilung gefunden hat, bittet er Archer nun ihnen die Warptechnologie zu überlassen, so dass sie sich selbst auf die Suche nach Rassen machen können, die vielleicht eine Antwort haben. Archer willigt ein darüber nachzudenken und kehrt zur Enterprise zurück.
Als er das Thema mit T'Pol bespricht, stellt sich schnell heraus, dass die Vulkanierin absolut dagegen ist, da die Valakianer noch viel zu unterentwickelt sind. Trotz ihrer Einwände, zieht es Archer weiterhin in Betracht die Warptechnologie zu teilen. Wenig später unterhält sich Archer mit Phlox. Der Doktor teilt dem Captain seine Untersuchungsergebnisse der Menk mit und geht dabei besonders auf die Tatsache ein, dass die Menk im Begriff sind, die dominante Spezies auf diesem Planeten zu werden, während die Valakianer langsam aussterben werden, ähnlich wie damals der Neandertaler auf der Erde. Für Phlox steht die Sache fest. Die Crew der Enterprise darf sich nicht in den evolutionären Prozess eines Planeten einmischen, auch wenn die Absicht noch so nobel ist. Dramatisch wird die Situation in dem Moment, als Archer den Doktor fragt, ob er ein Mittel gegen die Krankheit finden kann und Phlox nach kurzem Zögern antwortet, dass er schon eine Medizin entwickelt hat. Nichtsdestotrotz kann und will er sich nicht in die Evolution dieses Planeten einmischen.

Nach einer langen Nacht des Überlegens, begibt sich Archer auf die Krankenstation, um dem Doktor zu sagen, dass er den Valakianern den Warpantrieb nicht geben kann und ihnen nichts von der Medizin erzählen wird. In Archers Augen wird die Menschheit früher oder später mit einer Art Direktive kommen, die genau festlegt, was man tun darf und was nicht. Doch bis es diese geben wird, muss sich der Captain immer wieder daran erinnern, dass man nicht unterwegs ist, um Gott zu spielen.
Das Einzige, was Archer den Valakianern geben kann, ist ein Mittel, dass die Schmerzen lindert - mehr jedoch nicht.
Obwohl der Captain weiß, dass er die richtige Entscheidung getroffen hat, verbleibt in ihm ein Gefühl der Schuld.
Mit all diesen Informationen und seinen Berichten, beendet Phlox den Brief an Dr. Lucas, gibt ihn Hoshi, damit sie ihn wegschicken kann und löscht das Licht in der Krankenstation.
 
Kritik:
In dieser Folge steht einmal Doktor Phlox im Mittelpunkt und lädt den Zuschauer ein, sich näher mit dem Leben des Bordarztes zu beschäftigen. Dabei wird nicht nur sein Privatleben berücksichtigt, sondern auch sein Berufsleben.
Bevor man es überhaupt ahnt, wird man vor eine Entscheidung gestellt, die wohl niemandem leicht fallen würde. Kann man den Tod von Millionen von Lebewesen in Kauf nehmen, nur um nicht in die Evolution einzugreifen?
Auf eine dramatische, aber verständliche Weise zeigt uns "Lieber Doktor", wie sehr die "Oberste Direktive", die Archer erwähnt, benötigt wird, um nie wieder in solch einem Dilemma zu enden. Im Verlaufe der Folge, und ganz besonders zum Schluss, sieht sich der Zuschauer, der bis dahin nur beobachtet hat, selber in diesem Konflikt und muss sich entscheiden. Wie würde er handeln? Würde er einer unterentwickelten Spezies den Warpantrieb geben? Sollte man die Medizin verabreichen, obwohl man damit den Aufstieg einer anderen Spezies vermeidet?? Das sich Archer zum Schluss dafür entscheidet, nicht einzugreifen, zeugt von großem Vertrauen in seinen Arzt und in dessen Urteilsvermögen. Der Erzählstil der Folge und Phlox' Auszüge aus dem Brief an Dr. Lucas von Zeit zu Zeit runden die Geschichte ab und vermitteln dem Zuschauer ein Gefühl der Verbundenheit, sowohl mit dem Doktor, als auch mit dessen Patienten.

"Lieber Doktor" zählt mit zu meinen absoluten Lieblingsepisoden und zeigt sehr deutlich, dass man nicht immer Phaserfeuer braucht, um einer Folge Wärme zu geben.

Spannung: 3/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 4/5 | Humor: 2/5 | Inhalt: 4/5