Dämmerung

Originaltitel: Twilight
 
Staffel: 3
 
Note: 2+
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Archer erwacht durch eine Erschütterung in seinem Quartier. Nur mit einer Hose bekleidet betritt er den Flur und will zur Brücke, doch wird er von einem Wachposten aufgehalten. Angeblich hat dieser Befehl vom Captain, Archer nicht aus seinem Zimmer zu lassen. Eine weitere Erschütterung lässt das Schiff erzittern und Archer nutzt die Gunst der Stunde und schlägt die Wache nieder.
Auf der Brücke angekommen, gibt T'Pol - in einer Sternenflottenuniform - Befehl, auf Xindi-Schiffe zu feuern, die sich nahe der Erde befinden. Plötzlich taucht wie aus dem Nichts ein riesiges Gebilde auf, dass Ähnlichkeit mit der Sonde besitzt, die die Erde angegriffen hat. Die Kugel entfesselt einen gewaltigen Strahl, der auf die Oberfläche unseres Planeten zurast - Sekunden später wird er in tausende kleine Stücke gesprengt.

Irgendwann in der Zukunft: Archer, inzwischen ein wenig angegraut, erwacht an einem schönen Sommertag. Zunächst verwirrt über sein anderes Erscheinungsbild, betritt er das Wohnzimmer des Hauses. T'Pol hat gerade den Tisch für das Frühstück gedeckt und bittet Jonathan an den Tisch.
Selbstverständlich ist sich dieser überhaupt nicht im Klaren darüber, was gerade vor sich geht.
T'Pol fragt ihn, was das letzte ist, an das er sich erinnern kann. Er erzählt der Vulkanierin etwas von Scans, die er sich ansah und anschließend mit T'Pol in einen Korridor trat.
Daraufhin meint die Frau, dass dies vor zwölf Jahren geschehen sei - sie beginnt zu erzählen:

Der Captain und T'Pol sind gerade auf dem Weg zur Brücke, als das Schiff erschüttert wird. Als Archer anfragt, was geschehen sei, berichtet Reed, dass es mal wieder eine der Anomalien sei, die die Störungen auslösen. Daraufhin befielt der Captain Travis, dass er unter Warp gehen soll - doch ohne Erfolg, die Maschinen reagieren nicht.
Da erscheint eine gewaltige Verzerrung auf dem Flur, auf dem sich gerade der Captain und die Vulkanierin befinden - mit letzter Kraft gelingt es ihnen, sich in Sicherheit zu bringen, doch T'Pols Bein wurde unter einem schweren Träger eingeklemmt.
Archer versucht sie zu befreien, doch T'Pol ist der Meinung, der Captain solle sich lieber in Sicherheit bringen, denn die nächste Verzerrung ist schon unterwegs.
In der allerletzten Sekunde gelingt es Jonathan, T'Pol zu befreien, die daraufhin in Sicherheit krabbelt. Doch für den Captain ist es zu spät. Die Verzerrung wirft ihn durch den Gang und er bleibt bewusstlos liegen.

Auf der Krankenstation stellt Phlox die Diagnose. Offenbar haben sich seltsame Parasiten im Gehirn des Captains eingelagert. Das wäre an sich nicht so schlimm, doch diese Parasiten sind dafür verantwortlich, dass sich Jonathan keine Erinnerungen mehr aneignen kann, d.h. alles was nach dem Unfall passiert ist, wird er in wenigen Stunden wieder vergessen haben.
Da sich die Parasiten außerhalb des normalen Zeitflusses befinden, kann sie Phlox nicht so einfach eliminieren, doch versprich der Mediziner nicht eher zu ruhen, bis er eine Lösung gefunden hat.
Da die Sternenflotte Archer nun für dienstuntauglich hält, wird T'Pol zum Captain gemacht, während Archer nun ein sinnloses Leben an Bord fristet, da er keine Aufgabe mehr übernehmen kann.

T'Pol unterbricht ihre Erzählung. Jonathan fragt, ob die Enterprise denn die Xindi und ihre Waffe gefunden haben. Die Vulkanierin kann dies bejahen und fährt fort:
Als die Enterprise die Waffe findet, wird sie sofort von mehreren Xindi-Schiffen angegriffen. Kurz darauf wird das Schiff von den Xindi geentert. Nur mit einem waghalsigen Manöver gelingt es T'Pol die Angreifer kampfunfähig zu machen. Der Preis dafür ist jedoch die Steuerbord-Warpgondel - da Tucker keine Ersatzteile für die zusammengeschmolzenen Warpspulen zur Verfügung hat, kann die Enterprise nur noch Warp 1,7 fliegen - und eine Reparatur dauert mindestens sechs Monate.
Archer unterbricht die Erzählung erneut: Er möchte wissen, ob es die Enterprise geschafft hat, die Waffe der Xindi zu zerstören. T'Pol muss dies leider verneinen und berichtet von dem tragischen Ereignis, dass zur Zerstörung der Erde führte. Doch die Xindi hörten nach der Erde nicht auf. Alle menschlichen Kolonien wurden zerstört. Mars, Alpha Centauri, die Vega-Kolonie - einfach alle. Als Jonathan wissen will, wie viele Menschen überlebt haben, muss T'Pol ihm mitteilen, dass es weniger als 6000 sind...

Völlig geschockt, stürzt Archer aus dem Haus und muss feststellen, dass er sich in einer Siedlung befindet, die aus alten Schiffsteilen errichtet wurde. T'Pol berichtet ihm, dass sie sich auf Ceti Alpha V befinden.
Die Enterprise führte einen Konvoi mit Flüchtlingen hierher, die eine Zuflucht suchten.
Da trifft die Nachricht ein, dass Phlox von Denobula gekommen ist und möglicherweise eine Heilmethode für den (ehemaligen) Captain mitgebracht hat.

Archer und T'Pol begeben sich auf die Enterprise. Dort trifft Jonathan Captain Tucker, der nun das Kommando über das Schiff hat, sowie Reed, der ebenfalls Captain geworden ist und bald das Kommando über die Intrepid übernehmen soll.
Da die Apparatur von Phlox eine Subraumverzerrung erschaffen muss, die die Parasiten abtötet, ist eine gewaltige Menge an Energie nötig, die nur der Warpkern liefern kann - aus diesem Grund wird das Gerät im Maschinenraum aufgebaut.

Während die Vorbereitungen zur Behandlung Archers laufen, hat Phlox eine Unterredung mit T'Pol. Er fragt sie, ob sie Archer über ihre Gefühle ihm gegenüber aufklären wird, sollte die Heilung tatsächlich eintreten.
T'Pol antwortet, dass sie noch immer sehr dankbar für das ist, was Jonathan vor zwölf Jahren für sie getan hat und wenn die Zeit reif ist, wird sie ihn aufklären.
Als sich Archer zur Behandlung begibt, entdecken die Sensoren ein kleines Schiff nahe der Ceti Alpha-Sonne. Als Tucker es rufen lässt, will das Schiff auf Warp gehen, doch die Enterprise schafft es, den Antrieb des winzigen Schiffes außer Gefecht zu setzen.
An Bord befindet sich ein Yridianer, der behauptet auf einen Handelspartner zu warten. Doch nachdem die Sternenflottenoffiziere ein wenig "genauer" nachfragen, gibt er zu, dass er Dr. Phlox beobachten und seinen Auftraggebern mitteilen sollte, wo sich der Arzt befindet.
Tucker hat eine Vermutung und bereitet das Schiff auf einen Angriff der Xindi vor.

Phlox hat inzwischen die ersten Ergebnisse der Behandlung Archers und ist erfreut, dass es gelungen zu sein scheint. Bereits 50% der Parasiten sind verschwunden.
Da entdeckt T'Pol, dass die Parasiten auf allen Bildern von Archers Gehirn verschwunden sind - auch auf jenen, die vor zwölf Jahren gemacht wurden. Phlox hat eine Vermutung: Wenn die Parasiten außerhalb der Zeit existieren, so sind sie in allen Zeitebenen verschwunden. Wenn man alle Parasiten vernichtet, so hätte der Vorfall um Archers Gedächtnisverlust nie stattgefunden und die Mission in der Delphic-Ausdehnung könnte völlig anders ausgegangen sein - die Erde könnte gerettet werden!
Die Vulkanierin unterrichtet sofort Tucker von den Ergebnissen, doch der ist nicht bereit auf Basis einer Vermutung die Energie von den Waffen abzuziehen, denn der Angriff der Xindi steht kurz bevor.

Es dauert nicht lange, da kommt es auch schon zu ersten Gefechten. Glücklicherweise scheinen die neuen Schilde der Enterprise zu halten, die das Schiff offenbar von General Shran bekam!
Mitten im Feuer der feindlichen Phaser wird die Brücke der Enterprise jedoch stark beschädigt und kurz darauf wird die Kommandozentrale total zerstört - die Brücke ist nicht mehr.

T'Pol sieht nur noch eine Lösung - sie muss die Behandlung von Archer zu Ende bringen, in der Hoffnung, dass sich so die Geschichte ändert.
Jonathan, Phlox und T'Pol machen sich auf den Weg in den Maschinenraum, doch werden sie dort bereits von Xindi-Reptilien erwartet. Im folgenden Gefecht werden Phlox und T'Pol getötet und die Behandlungsapparatur zerstört. Jetzt bleibt nur noch eine letzte Möglichkeit: Den Warpkern der Enterprise zu überlasten und eine Subraumexplosion hervor zurufen, die die letzten Parasiten tötet - auch wenn die Enterprise dabei zerstört wird.
Mit allerletzter Kraft gelingt es Archer die nötigen Hebel zu betätigen und kurz darauf explodiert das Schiff in einem gewaltigen Feuerball...

Archer wacht auf der Krankenstation auf. Der Doktor teilt ihm mit, dass er viel Glück hatte und nicht mehr als ein paar Kratzer von der Subraumverzerrung auf dem Flur davon getragen hat. Trotzdem will Phlox den Captain noch zur Beobachtung auf der Krankenstation lassen, was der Captain auch gerne befolgt, hat er doch nun endlich einmal Zeit sich auszuruhen.
 
Kritik:
Ich bin begeistert. Die Story ist fantastisch umgesetzt und ich muss ganz ehrlich sagen, dass mir das Herz geblutet hat, als ich sah, wie sich die Erde in einen Haufen Schutt verwandelte.
Doch damit nicht genug. Als die Brücke der Enterprise getroffen wurde und sich auf Nimmerwiedersehen verabschiedete, saß ich nur noch mit großen Augen vor dem Bildschirm und trauerte - ja, man kann es tatsächlich so sagen und wer würde nicht in Schwermut verfallen, wenn seine Helden das Zeitliche segnen?

Die Geschichte enthält einige interessante Aspekte, auf die ich hier näher eingehen möchte:
"Was-wäre-wenn-Geschichten" haben mich, ähnlich wie Zeitreisen, schon immer fasziniert. Zu sehen, wie sich die Crew der Enterprise entwickelt und was passieren könnte, wenn dieses oder jenes Ereignis eingetroffen wäre, lässt sich in "Dämmerung" sehr gut beobachten.
Auch fand ich, dass Archers Nutzlosigkeit an Bord gut dargestellt wurde. Man merkt richtig, wie er sich fehl am Platz fühlt, nachdem er sich nichts mehr merken kann. Der früher so agile und abenteuerlustige Captain verfällt in eine tiefe Depression - jedenfalls solange er sich seiner Lage bewusst ist.

Neben Archers persönlichem Debakel wird aber auch das Schicksal der Menschheit betrachtet. Wer hätte gedacht, dass unsere Zivilisation einmal Zuflucht auf irgendeinem Planeten suchen muss? In keiner anderen Folge und in keiner anderen Serie wirkte unser Volk jemals so verletzlich auf mich.
Man stelle sich vor: Von einer Spezies mit mehr als 8 Milliarden Angehörigen, bleiben nur 6000 übrig... ein Gedanke der einen nachdenklich und traurig stimmt.
Selbst auf persönlichen Bindungen konnte man während der 45 Minuten eingehen, auch, wenn ich der Meinung bin, dass die Story um Archer und T'Pol nur dazu gedacht war, ein wenig mehr Sentimentalität einzubringen.

Ein paar kleinere Logikfehler gibt es natürlich auch, aber die gibt es bei fast allem, was mit Zeitreisen und dergleichen zu tun hat. Natürliche spreche ich vom altbekannten Paradoxon.
Wenn der Zukunfts-Archer die Parasiten ausgelöscht hat, würden sie nie existieren und damit auch nicht die Maschine, die sie vernichten soll. Folglich würde die Maschine nicht gebaut und die Parasiten wären wieder da, was zur Folge hätte, dass... ihr seht schon, vorauf das hinausläuft.

Warum gibt's aber bloß eine 2+ und keine 1, wenn alles so toll war?
Ganz einfach, mal wieder vermisse ich die Innovation. Gut, ok, die oben aufgezählten Fakten sprechen für sich, ABER eine ähnliche Geschichte gab es schon mal bei Voyager ("Ein Jahr Hölle"). Selbst der Ausgang beider Episoden war ähnlich.
Janeway rammt das Zeitschiff und die ursprüngliche Zeitlinie wird wieder hergestellt.
Archer jagt sein Schiff in die Luft und die Zeitlinie wird wieder normal.
Tja, da fehlte das entscheidende Etwas, das "Dämmerung" einzigartig hätte machen können.

Trotz allem ist die Episode auf jedenfall einen Blick wert und man merkt, dass die Autoren so langsam aber sicher in Fahrt kommen. Anzeichen gab es ja schon einige ("Transformation"; "Rajiin") aber "Dämmerung" hat mir den endgültigen Beweis erbracht.
Mein Tipp: Ansehen!

Spannung: 3/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 3/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 4/5