Faustrecht

Originaltitel: North Star
 
Staffel: 3
 
Note: 2+
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Archer, Trip und T'Pol befinden sich auf einem Planeten, auf dem die Bewohner wie im Wilden Westen leben. Doch damit nicht genug. Es sind nicht irgendwelche Wesen, die so leben - es sind tatsächlich Menschen!

Die Sensoren zeigen 6000 Menschen, die auf viele verschiedene Siedlungen verteilt leben. Doch nicht nur Menschen leben auf diesem Planeten. Auch eine außerirdische Spezies ist in den Siedlungen vertreten - doch nur wenige 100.
Das Außenteam macht sich auf die Suche nach Hinweisen, wer oder was die Menschen hierher gebracht haben könnte.
Trip und T'Pol leihen sich ein Pferd und reiten zu einer metallischen Struktur, die sich nahe der Siedlung befindet, während Archer sich im örtlichen Saloon etwas umhört.

Dort erfährt er vom Barkeeper, dass dessen Vorfahren die Skagaraner zurückgeschlagen haben, die die Menschen von der Erde auf diesen Planeten holten, um als Sklaven zu arbeiten. In einer glorreichen Schlacht unter der Führung von Cooper Smith wurden die ehemaligen Herren jedoch niedergeworfen. Wer nicht starb, wurde von diesem Zeitpunkt an von den Menschen unterdrückt. Skagaraner verrichten nur niedere Arbeiten und haben kein Rechte.
Archers Aufenthalt an der Bar wird gestört, als der Hilfssheriff Bennings den Saloon betritt und einen Skagaraner belästigt. Archer mischt sich ein, doch bevor die Situation eskalieren kann, betritt Sheriff MacReady den Raum und fordert Archer auf zu gehen, was dieser auch tut.

Trip und T'Pol haben inzwischen ein Wrack erreicht, das einmal ein Schiff gewesen sein könnte. Sie planen sich zu nähern und zu untersuchen, was dort vor sich geht.
Derweilen trifft Archer die Lehrerin der Siedlung und bittet sie um Informationen, die Skagaraner betreffend. Bethany, so ihr Name, erwidert, dass doch jeder über diese Spezies bescheid wüsste und fragt Archer, warum er sich im Saloon für den einen Skagaraner eingesetzt hätte.
Archer ist der Meinung, dass das Leben eines Skagaraners nicht weniger wert ist, als seines.

Bethany nimmt Archer mit zu einem Ort, an dem die Skagaraner leben - unwissend, dass ihnen Bennings und seine Leute folgen.
Am Ende der Reise trifft Archer auch wieder auf T'Pol und Trip die sich gerade dem Wrack genähert haben. Während Bethany die skagaranischen Kinder unterrichtet, untersuchen T'Pol und Trip das Wrack nach Hinweißen auf die Ereignisse, die zur Ausgangssituation geführt haben. Sie entdecken ein paar Datenscheiben und bringen sie zur weiteren Analyse auf die Enterprise.

Da taucht Bennings auf und verhaftet Archer und Bethany - denn Skagaraner zu unterrichten, ist illegal.
Im Gefängnis fragt Archer, ob das Wrack, in dem sie gewesen sind, das Schiff war, dass die Menschen auf diesen Planeten brachte.
Bethany kann dies bestätigen und erzählt Archer die ganze Geschichte. Während die Menschen behaupten, dass Cooper Smith ein Volksheld war, der sie von der Sklaverei befreit hat, wird die ganze Wahrheit verschwiegen. Cooper Smith hat nämlich ein wahres Massaker angerichtet und danach die strengen Gesetze aufgestellt, damit kein Skagaraner jemals wieder auf die Idee kommen könnte, die Menschen zu unterwerfen.

Da klopft es an der Zellentür. Es ist Bennings, der Archer davon berichtet, dass der Sheriff ihn sehen will.
Im Büro von MacReady angekommen, eröffnet dieser Archer, dass er beschlossen hat, ihn frei zulassen, da er nichts mit dem Verbrechen von Bethany zu tun hat - doch die Lehrerin muss für die nächsten 10 Jahre ins Gefängnis.
Der Captain beschließt Bethany zu befreien, da er sich nicht mit einem solchen unfairen Urteil abfinden kann. Der Ausbruch gelingt, doch auf der Flucht wird Bethany von Bennings niedergeschossen.
Archer sieht nur einen einzigen Ausweg und lässt sich zusammen mit der Frau auf die Enterprise beamen - mitten auf dem Dorfplatz.

Während der Doktor Bethany operiert, bekommt Archer das Ergebnis der Auswertung der Datenscheiben aus dem Schiffswrack. Offenbar stimmt die Geschichte, die die Lehrerin erzählt hat. Die Menschen wurden von der Erde entführt, um als Sklaven zu dienen.
Archer möchte die Leute auf dem Planeten wissen lassen, dass sie die Erde nicht aufgegeben hat und startet mit einem Shuttle, um zurück zur Siedlung zu fliegen. Bei ihm sind Reed, T'Pol, sowie zwei MACO-Angehörige.

Unter den Augen einer entsetzten Menschenmenge landet das Shuttle und Archer zieht sich mit MacReady zurück, um mit ihm zu reden.
Er erzählt ihm von der Erde und dem Fortschritt, den die Menschen in den Jahren gemacht haben. Er erzählt ihm auch davon, dass die Menschen über ihre frühere Intoleranz hinaus sind und nun versuchen mit allen Lebewesen friedlich auszukommen.
MacReady glaubt Archer und nimmt dessen Einladung an, sich die Enterprise anzusehen.

Da tauchen Bennings und seine Leute auf. Er glaubt, dass Archer mit den Skagaranern gemeinsame Sache macht und dass sie einen Umsturz planen.
Das Ganze entwickelt sich zu einer wilden Schießerei, in der Archer und der Sheriff angeschossen werden, doch letztendlich kann Bennings überwältigt werden.

Bethany hat sich an Bord inzwischen von der Schussverletzung erholt. In einem Gespräch mit Archer, erzählt sie ihm, dass sie es sehr traurig findet, dass die Menschen auf der Erde einen solchen Fortschritt erzielen konnten, während sie hier in ihren Ansichten festgefahren sind.
Archer verspricht ihr, dass die Sternenflotte Schiffe schicken wird, die die Menschen zur Erde bringen sollen. Zwar werden diese Schiffe nicht sofort kommen, aber der Captain ist überzeugt, dass, wenn diese Schiffe eintreffen, die Menschen auf dem Planeten einige gewaltige Fortschritte erzielt haben werden. Um diesen Fortschritt einzuleiten, hat MacReady dafür gesorgt, dass die Skagaraner als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert werden.

Die Enterprise verlässt den Orbit, um das Problem mit den Xindi zu lösen, während Bethany anfängt Skagaraner und Menschen gemeinsam in einer Schule zu unterrichten.
Das Thema: Der Erde und ihre Geschichte. Ihr Hilfsmittel: Ein Padd, das sie von Archer erhielt.
 
Kritik:
Wenn die Aufgabe darin bestehen würde, die Episode mit einem Wort zu beschreiben, so würde ich wahrscheinlich "wunderbar" wählen.

Endlich ist die langersehnte Innovation da. Ja, sicher, Western-Geschichten sind nichts neues - auch nicht bei Star Trek - aber sind sie doch immer wieder eine nette Abwechslung.
"Faustrecht" ist schon alleine deshalb etwas besonderes, weil es die erste Folge seit langem ist, die sich nicht mit der Xindi-Problematik auseinandersetzt. Außerdem wird hier mal wieder eine der Botschaften übermittelt, die Star Trek berühmt gemacht haben.

So, kommen wir nun zur genaueren Betrachtung der Einzelheiten.
Der Ort der Handlung ist, wie gesagt, mal wieder etwas neues. Nicht mehr nur irgendwelche Schiffskorridore, oder dunkle Minenschächte. Die weite, offene Prärie und der blaue Himmel versetzen den Zuschauer schon nach wenigen Minuten in die Vergangenheit und oft glaubt man, dass eher Bonanza über den Bildschirm flimmert.
Die Autoren haben es wunderbar verstanden die Welt des Wilden Westens mit der Welt von Star Trek zu verknüpfen.

Die Rollen sind in typischer Wild West-Manier genaustes verteilt.
Wir haben den misstrauischen Sheriff, den Fiesling, die gute Seele, die jedem helfen möchte und natürlich den mysteriösen Fremden, der das Böse besiegt. Man könnte jetzt argumentieren, dass diese Charakterkonstellation furchtbar vorhersehbar ist und null Spannung erzeugt.
Das mag stimmen - deshalb gibt's ja auch nur 2 von 5 Punkten bei der Spannung - aber gerade diese klassische Rollenverteilung hat das Genre des Western unsterblich gemacht. Man wäre wahrlich ein schlechter Drehbuchautor, würde man sich nicht an dieses ungeschriebene Gesetz halten.

Als sich Archer dazu entschloss, den Siedlern die Wahrheit zu sagen und mitten in der Stadt mit einem Shuttle zu landen, war ich sehr skeptisch, ob das wirklich gut geht - aber aus diesem Grund hatte Archer auch sicher die MACOs dabei. Der Captain kann jedenfalls von Glück sagen, dass es die oberste Dirketive noch nicht gibt. Sonst wäre die Geschichte ganz anders ausgegegangen.

Das Wichtigste an der ganzen Geschichte ist jedoch das Ende. Eine derart positive Schlussbilanz einer Enterprise-Episode habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Veränderungen haben und werden unser Leben immer bestimmen und wenn "Faustrecht" eins gezeigt hat, dann, dass man auch die größten Vorurteile ablegen kann, um der Welt ein wenig offener entgegen zu treten.

Spannung: 2/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 3/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 4/5