Ebenbild

Originaltitel: Similitude
 
Staffel: 3
 
Note: 1+
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Zu den schwierigsten Aufgaben eines Captains gehört es, sich von einem Crewmitglied zu verabschieden, dass in Ausübung seiner Pflicht gestorben ist. Heute ist so ein Tag. Die Crew findet sich auf der Torpedorampe ein, um einem Kollegen die letzte Ehre zu erweisen. Sein Name: Charles Tucker.

Zwei Wochen früher:
Die Enterprise bereitet sich darauf vor, ein paar Modifikationen am Warpantrieb vorzunehmen. Mit Hilfe des komprimierten Plasmastroms könnte das Schiff länger Warp 5 aufrechterhalten und so die Delphic-Ausdehnung schneller durchfliegen.
Zunächst scheint alles gut zu gehen, doch plötzlich kommt es zu einer Überladung und das Steuer reagiert nicht mehr.
Die einzige Möglichkeit, die Enterprise vor einem Warpreaktorbruch zu schützen, besteht darin, den Reaktor herunterzufahren. Trip schafft es gerade noch rechtzeitig, doch wird er von einer Explosion schwer verletzt und fällt ins Koma.
Die Enterprise kommt inzwischen inmitten eines seltsamen Nebels zum stehen.

Der Doktor untersucht Trip und stellt fest, dass ein Teil seines Gehirns irreparabel beschädigt ist. Die einzige Möglichkeit ihn zu retten, besteht darin, einen Klon von dem Commander zu erschaffen, dem Phlox dann die benötigten Transplantate entnehmen kann.
Glücklicherweise zählt ein solcher "mimetischen Symbiont" zu den "Haustieren" des Doktors. Dieser wächst, mit Hilfe einer Injektion der DNA des Spenders, innerhalb von wenigen Tagen zu einer exakten Kopie heran - die Lebensspanne dieses Klons beträgt jedoch nur 14 Tage.
Der Doktor weist Archer darauf hin, dass die Larsarianer, von deren Heimatwelt der mimetische Symbiont stammt, das Klonen verboten haben, da es ihrer Meinung nach nicht mit den Grundprinzipien ihrer Gesellschaft zu vereinbaren sei, ein Lebewesen nur als "Ersatzteillager" zu züchten.
Archer meint daraufhin, dass er sich wahrscheinlich anders entscheiden würde, wäre die Enterprise nicht in der Delphic-Ausdehnung, doch das Schiff braucht seinen Chefingenieur.
Nach anfänglichem Zögern gibt Archer den Befehl, den Klon zu erschaffen und der Doktor beginnt mit der Prozedur.

Derweilen sieht sich die Crew einer neuen Gefahr ausgesetzt.
Ein seltsames Metall, das im Nebel enthalten ist, setzt sich an der Hülle der Enterprise fest. Da der Antrieb noch nicht reagiert, hat das Schiff keine Möglichkeit, dieser Gefahr zu entkommen. Früher oder später wird aufgrund des starken Magnetfeldes, dass von dem Metall ausgeht, jedes System an Bord ausfallen - und das darf logischerweise nicht geschehen.

Der Doktor macht auf der Krankenstation inzwischen große Fortschritte. Der kleine Junge entwickelt sich innerhalb weniger Tage zu einem Wesen, das nicht nur wie Trip aussieht, sondern auch all seine Erinnerungen besitzt.
Da "Sim", so hat ihn der Doktor genannt, beginnt Fragen über seine Herkunft zu stellen, nimmt Archer den Klon zur Seite und klärt ihn über den Zweck seiner Existenz auf.
Sim, inzwischen etwa 10 menschliche Jahre alt, scheint die Tatsache, dass er als Spender fungieren soll, offenbar nicht weiter tragisch zu nehmen - jedenfalls zeigt er keine solche Reaktion.

Der Klon wächst weiter und integriert sich in den Crewalltag. Er hilft bei Reparaturen und kann, mit der Hilfe von Trips Wissen, sogar einen Plan entwickeln, wie man die Enterprise aus dem Nebel bekommen könnte.
Eines Abends steht Sim vor T'Pols Quartier und offenbart ihr, dass er glaubt, dass er mehr für sie empfindet, als nur Freundschaft. Das Problem: Er weiß nicht, ob es seine Gefühle sind, oder ob es Trips sind.
Auch T'Pol kann ihm diese Frage nicht beantworten und beide verbleiben in einem Gefühl der Ungewissheit.

Sim hat seinen Plan zur Rettung der Enterprise dem Captain vorgelegt und durch diesen genehmigen lassen.
Die Hangartore werden mit den Phaserkanonen freigeschossen und zwei Shuttles starten, um die Enterprise ins Schlepptau zu nehmen. Da die Antriebe dieser kleinen Schiffe eigentlich nicht dafür entwickelt wurden, ein derart großes Gewicht zu ziehen, müssen die Triebwerke überlastet werden.
Der Plan scheint anfangs überhaupt nicht zu funktionieren und Archer möchte schon aufgeben. Doch da bewegt sich das Sternenflottenschiff plötzlich und driftet, nach einer kleinen Starthilfe durch die beiden Shuttles, auf die äußere Grenze der Wolke zu.

Für Sim entwickeln sich die Dinge jedoch nicht sehr positiv. Phlox hat festgestellt, dass er dem Klon mehr Gehirn entnehmen müsste, als ursprünglich angenommen. Das würde ihn jedoch töten.
Archer ist davon, um es milde auszudrücken, überhaupt nicht begeistert und auch Phlox hätte lieber eine andere Lösung parat.
Sim wird auf die Krankenstation bestellt und über die Entwicklung der Ereignisse informiert.
Im darauf folgendem Gespräch fragt Sim den Doktor, ob er Archer, bevor er anfing zu klonen, auch über eine experimentelle Möglichkeit aufgeklärt hätte, die dem Klon ein verlängertes Leben erlauben. Er möchte damit ausdrücken, dass er Trip ersetzen könnte.
Er hat all seine Erinnerungen, seine Gefühle und er hat den Willen zu überleben. Sim denkt überhaupt nicht daran, sein Leben zu lassen, um Trip zu retten.

Wütend verlässt der Klon die Krankenstation und begibt sich in Trips Quartier.
Archer folgt ihm und macht ihm klar, dass die Enterprise, die inzwischen aus der Wolke herausgedriftet ist, ihren Chefingenieur braucht und das Archer alles tun wird, um Trip zu retten - auch wenn es heißen würde, Sim zu töten.
Sim begibt sich in den Maschinenraum und möchte T'Pol anscheinend bei einigen Reparaturen helfen - doch in Wirklichkeit plant er seinen "Ausbruch".
Er sperrt jeden aus den Systemen der Shuttlerampe aus und versucht die Hangartore zu öffnen.
Als sich Archer zur Rampe begibt, findet er dort einen Sim vor, der ruhig an einem Shuttle lehnt und wartet. Er erzählt dem Captain, dass er kurz davor war, zu fliehen, doch er entschied sich dagegen.
Sein Grund: Er möchte nicht, dass irgendjemandem das Selbe passiert, wie Trips bzw. seiner Schwester - auch wenn das heißen würde, dass er sterben muss.
Sim ist bereit sein Leben zu geben, damit der echte Trip weiterleben kann.

Ein paar Stunden vergehen und Sim versucht sich mit seinem Schicksal abzufinden. Gerade als er die Nachricht von Phlox erhält, dass die Krankenstation auf ihn wartet, steht T'Pol vor seiner Tür.
Sie offenbart ihm, dass sie ihn vermissen wird und gibt ihm einen Abschiedskuss.
Auf der Krankenstation verabschiedet sich Sim auch von dem im Koma liegenden Trip und übergibt sich anschließend in die Hände Phlox'.

Danach versammelt sich die gesamte Crew auf der Torpedorampe und erweist Sim die letzte Ehre. Anschließend wird der Sarg verschlossen und den unendlichen Weiten des Alls übergeben.
 
Kritik:
Ich gebe es ganz offen zu: Bei dieser Folge standen mir am Schluss die Tränen in den Augen. Eine so schön erzählte Geschichte, mit derart genialen Dialogen und Schauspielern, habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Die beste Szene ist eindeutig jene, als Sim im Quartier Tuckers auf den Ruf von Phlox wartet, der ihn zur Operation bestellt. Die Verbindung von Ungewissheit, Trauer und der fantastischen Musikuntermahlung machen diesen Moment zu den unvergesslichsten Minuten Enterprise, die ich je sah.
Es ist unglaublich, was dem Autor hier gelungen ist. Die Geschichte ist so wunderbar erzählt, so einfühlsam und nachvollziehbar, dass man Sim schon ins Herz schließt, wenn er noch der kleine Strampler auf der Krankenstation ist.
Die Frage, ob man ein Lebewesen züchten soll, um als Ersatzteillager zu dienen, wird auch öfters in den Medien diskutiert und somit überzeugt "Ebenbild" nicht nur durch seine Bilder und Dialoge, sondern auch durch Aktualität.

Diese Episode ist bis jetzt - auch wenn es übertrieben klingen mag - die Beste die es bisher gibt. Die Schauspieler haben ihre Rollen überzeugend gespielt - vielleicht sogar besser als sonst. Es wurde auf übertrieben viel Action verzichtet, um sich vollkommen den Charakteren zu widmen und nicht zuletzt ist die Musik erstklassig. Ohne sie wäre "Ebenbild" nur halb so schön gewesen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Diese Episode sollte zum Pflichttermin für jeden werden, der Interesse an einer Geschichte hat, die es besser im Star Trek-Universum nicht geben kann. Ansehen!!

Spannung: 2/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 5/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 5/5