Carpenter Street

Originaltitel: Carpenter Street
 
Staffel: 3
 
Note: 3
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Eine dunkle Straße irgendwo in Detroit. Ein Wagen hält vor einem Wohnhaus und ein etwas heruntergekommener Mann steigt aus. In seiner Wohnung holt er ein kaltes Stück Pizza aus dem Waschbecken und eine Cola aus dem Kühlschrank. Gerade, als er es sich gemütlich machen will, klingelt das Telefon.
Etwas überrascht darüber, dass man ihn anruft, geht er ran. Eine Stimme fragt an, ob er alle Vorbereitungen getroffen habe. Der Mann bejaht dies, fragt nach seiner Bezahlung und legt auf.

Der Mann begibt sich in sein Auto, fährt auf einen Straßenstrich und lässt eine Prostituierte einsteigen, die er kurz darauf betäubt. Mit der Frau fährt er zu einem verlassenen Gebäudekomplex.
Nachdem er hinein gelassen wurde, legt er die Frau auf eine Liege und schließt sie an einen Tropf an. Er nimmt einen Koffer voller Geld und verlässt den Raum.

Auf der Enterprise hat Archer gerade das Fressen für Porthos gemacht, als plötzlich wie aus dem Nichts Crewman Daniels auftaucht.
Archer, offenbar überhaupt nicht überrascht, stellt Daniels sofort Fragen zur Waffe der Xindi. Doch der Zeitpolizist hat leider genauso wenig Informationen, wie der Captain. Laut seiner Aussage, hätte der Angriff auf die Erde nie stattfinden dürfen. Da Veränderungen der Zeitlinie immer eine Weile brauchen, bis sie sich auf das 31. Jh. auswirken, sind bis jetzt keine Störungen der Zeit zu verzeichnen.
Doch Daniels ist nicht vorbei gekommen, um mit Archer einen kleinen Plausch zu halten. Er schickt den Captain und T'Pol auf Mission ins Jahr 2004. Dort hat der Temporale Sicherheitsdienst eine handvoll Xindi-Reptilien entdeckt, die aus dem 22. Jh. stammen. Archer soll sie nun aufhalten - egal was sie vorhaben. 18.00 Uhr will Daniels den Captain und die Vulkanierin im Kommandoraum sehen.
Archer besorgt sich schnell angemessene Kleidung für das 21. Jh. und gibt Tucker den Dienstplan der nächsten Woche, für den Fall, dass er länger weg sein sollte. Mit im Gepäck hat er so genannte Temporalbojen, die er von Daniels erhielt. Damit kann er alles, was nicht ins 21. Jh. gehört, in die Zukunft bringen.

Archer und T'Pol betreten den Kommandoraum und finden sich plötzlich auf einer Straße in Detroit des Jahres 2004 wieder. Zunächst ein wenig perplex über den plötzlichen Umgebungswandel, macht sich das Duo auf die Suche nach einem geeigneten Transportmittel, was auch schon bald in Form eines Pick-Ups in Erscheinung tritt.

Ausgestattet mit einem fahrbaren Untersatz, machen sich Archer und T'Pol auf die Suche nach Xindi-Lebenszeichen, die sie mit Hilfe des Tricorders aufzuspüren erhoffen.
Es dauert nicht lange, da werden die beiden auf einen verlassenen Gebäudekomplex aufmerksam. Als sie sich ihm jedoch nähern, bemerken sie, wie ein Auto auf das Gelände fährt.
Kurze Zeit später, verlässt das Gefährt die Gegend wieder - Archer und T'Pol folgen ihm.

Nur wenig später klopft Archer an der Tür des Mannes, den wir schon aus der Einleitung kennen.
Da dieser glaubt, die Polizei stünde vor der Tür, flüchtet er durch das Fenster nach draußen, doch dank des vulkanischen Nackengriffs kann der Mann gestoppt werden.
In der darauf folgenden Befragung des Mannes, dessen Name Loomis ist, stellt sich bald heraus, dass er für die städtische Blutbank arbeitet. Er erklärt Archer, dass ihn irgendwelche Männer, die er nie zu Gesicht bekommen hat, angeheuert hätten, jeweils einen Menschen pro Blutgruppe zu entführen und zu ihnen zu bringen.
Er wisse jedoch nicht, was die Leute mit den Entführten tun, und eigentlich interessiert es ihn auch nicht, solange die Bezahlung stimmt.
Archer ist der Meinung, dass die Xindi im 21. Jh. versuchen, ihre Biowaffe zu perfektionieren, die mit Hilfe der Daten von Rajiin entwickelt werden konnte.

Loomis erklärt sich bereit, dem Captain zu helfen, die Männer für die er arbeitet zu stoppen, wenn er dafür straffrei bleibt.
Und so kommt es, dass das Trio wieder zum alten Gebäudekomplex auf der Carpenter Street fährt. Archer stellt sich bewusstlos und lässt sich von Loomis ins Innere bringen.
Während Loomis das Gebäude wieder verlässt und zu T'Pol ins Auto steigt, beginnt Archer nach den Xindi zu suchen. Es dauert nicht lange, da hat er sie auch schon gefunden.
Mit Hilfe eines präzisen Schusses aus der Phaserpistole zerstört der Captain ein kleines Gerät, dass den Xindi die Rückkehr in ihr Jahrhundert erlaubt hätte.

Im folgenden Feuergefecht, kann Archer alle Xindi, bis auf einen auschalten. Dieser flieht auf das Dach des Gebäudes und versucht die Biowaffe in die Atmosphäre zu entlassen. Glücklicherweise kann Archer ihn zusammen mit T'Pol, die Loomis aufgrund eines Fluchtversuches betäuben musste, aufhalten.
Nun, da die Gefahr durch die Biowaffe eliminiert ist, markiert Archer die gesamte Ausrüstung der Xindi, sowie deren Leichen, mit den Temporalbojen und schickt sie zurück in die Zukunft.

Archer und T'Pol treten aus dem Kommandoraum heraus und begegnen einem sichtlich verwirrten Tucker, der gerade den Dienstplan durchgeht, denn er von Archer vor wenigen Augenblicken bekommen hat.
Seine Verwirrung erreicht ihren Höhepunkt, als der Chefingenieur die Xindi und deren Ausrüstung im Kommandoraum vorfindet.
Archer bestellt Reed herunter, um die Ausrüstung einzusammeln, während der Captain den Zylinder mit der Biowaffe zu Doktor Phlox bringt.

An einem Morgen des Jahres 2004 wird inzwischen ein etwas benommener Loomis, von Polizisten aus seinem Auto gezerrt, die einen anonymen Hinweis erhalten hatten, wo sich die Menschen befinden, die von eben diesem Mann entführt wurden.
 
Kritik:
Eigentlich wollte ich die Kritik ja mit dem Satz "Juhuu, Daniels is back" beginnen, aber da sich der Auftritt des Zeitpolizisten auf knapp eine Minute beschränkt, wäre es doch äußerst unpassend gewesen.

Als ich in der Preproduction von Star Trek.com las, dass Crewman Daniels wieder auftaucht, hatte ich mich eigentlich auf eine spannende Zeitreiseepisode gefreut, denn die zählen mit zu meinen Lieblingen.
Doch leider wurde ich enttäuscht. Zwar setzt die Story die Ereignisse von "Rajiin" fort und der Zuschauer erfährt, was es mit der Biowaffe der Xindi auf sich hat, aber letztendlich wird diese Bedrohung zu schnell beseitigt, um wirklich gefährlich wirken zu können.

Leider treten auch einige Ungereimtheiten auf, die bei Zeitreisen zwar normal sind, da es immer zu irgendwelchen Paradoxien kommt, aber seit wann braucht eine Veränderung der Zeitlinie eine Weile, bevor sie sich auf die entfernte Zukunft auswirkt? Selbst bei Enterprise war es nie so. Ich erinnere dabei gerne an "Die Schockwelle" aus der ersten Staffel. Da war die Zukunft sofort in Schutt und Asche gelegt - und das obwohl Archer "nur" nicht mehr an Bord der Enterprise war.
Der Angriff der Xindi jedoch fand vor Monaten statt und das soll noch immer keine Auswirkung auf die Zukunft gehabt haben? Ziemlich seltsam.

Als eine Art Insider-Gag kann man den Fakt sehen, dass es mal wieder in unsere Gegenwart geht. Mal grob über den Daumen gepeilt, würde ich sagen, dass es nun schon das sechste oder siebte Mal ist, dass sich eine Trek-Crew ins 20. bzw. 21. Jh. verirrt. Ein Wunder, dass sie sich dabei noch nicht in die Quere gekommen sind.

Doch kommen wir zurück zur Story: Ich bringe es gleich auf den Punkt und gebe offen zu, dass sie mir nicht wirklich gut gefallen hat.
Zwar hat das größtenteils damit zu tun, dass ich dunkle schäbige Gassen hasse - das hat mir schon bei Minority Report nicht zugesagt - aber auch die Handlung an sich, war nicht so der Bringer.

Auch fand ich, dass der Charakter von Loomis (Leland Orser) viel zu schwammig und unglaubwürdig dargestellt wurde. Anfangs ist er der skrupellose Laufbursche, der den Xindi für Geld alles besorgt, was sie haben wollen. Dann wandelt er sich plötzlich und hilft Archer, nur um wenige Minuten später T'Pol zu attakieren.
Jetzt könnte man zwar argumentieren, dass er den beiden nur etwas vorgespielt hat, aber wenn man bedenkt, dass er glaubte, sie seien von der Polizei, so wirkte das Ganze sehr unglaubwürdig.

Was ich widerrum gut umgesetzt fand, war die Weise, wie T'Pol und Archer in die Vergangenheit geschickt wurden. Es wurde auf das ganze High-Tech-Zeug verzichtet und einfach ein simpler Perspektivenwechsel angewandt, um den Transport zu verdeutlichen. Für Star Trek-Verhältnisse eher ungewöhnlich, aber auf jedenfall eine nette Abwechslung - und eins dürfte selbst T'Pol allmählich klar geworden sein: Zeitreisen sind möglich.

"Carpenter Street" ist absolutes Mittelfeld und weiß nur durch einige, kleinere Höhepunkte zu überzeugen. Etwas wirklich Besonderes ist die Episode leider nicht und so verabschiedet sich "Enterprise" ziemlich unspektakulär in die Winterpause.

Spannung: 2/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 2/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 3/5