Der Vorbote

Originaltitel: Harbinger
 
Staffel: 3
 
Note: 2
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Die Enterprise befindet sich auf dem Weg nach Azati Prime, wo die Superwaffe der Xindi vermutet wird.
Während des Fluges gibt Cmdr. Tucker Amanda Cole, eine der MACOs (Military Assault Command), ein paar Lektionen in vulkanischer Neuropressur, die helfen sollen, ihre Verspannungen zu lösen. Während dieser Sitzungen kommen sich Trip und Amanda ein wenig näher und als es der Commander tatsächlich zu schaffen scheint, Cole von ihren Leiden zu befreien, bedankt sie sich mit einem Küsschen.

Major Hayes, der Anführer der MACOs, bittet Archer in der Zwischenzeit darum, das reguläre Sicherheitsteam unter Lt. Reed einem Spezialtraining zu unterziehen, das die Crew besser auf die kommenden Wochen tief im Xindi-Territorium vorbereiten soll.
Archer ist von der Idee begeistert, doch Reed stimmt nur widerwillig zu, hat er doch die Befürchtung, dass Hayes seinen Posten übernehmen will. So sind Reibereien zwischen den beiden schon vorprogrammiert, als sie sich zusammensetzen und einen Terminplan für die Trainingsstunden vereinbaren.

T'Pol wird inzwischen auf die Krankenstation gerufen. Offenbar haben Trips Bemühungen Amanda zu helfen nur dazu geführt, dass er bei seiner "Patientin" Kopfschmerzen verursacht hat. Phlox bittet die Vulkanierin nun darum, dass sie die Neuropressur bei Cole übernimmt, um den Schaden, den Tucker angerichtet hat, zu minimieren. Nur widerwillig stimmt T'Pol diesem Vorschlag zu, weiß sie doch, dass zwischen den beiden offenbar mehr als nur Freundschaft besteht.

Da entdecken die Sensoren der Enterprise eine gigantische Raumanomlie, die den Weiterflug nach Azati Prime unmöglich machen, denn die Navigationscomputer spielen verrückt. Bei genauerer Analyse der Verzerrung entdeckt T'Pol ein kleines Schiff am äußeren Rand dieses Phänomens. Mit Hilfe des Greifers wird das kleine Schiff an Bord gebracht, nachdem feststeht, dass der Pilot offenbar bewusstlos ist.
Beim Öffnen des fremden Schiffes, das mehr einer Kapsel ähnelt, stellt die Crew erstaunt fest, dass der Pilot an eine Vielzahl verschiedenster Apparaturen angeschlossen ist, deren Zweck für den Moment niemand begreift. Der reptilienartige Insasse wird für weitere Untersuchungen auf die Krankenstation gebracht.

T'Pol hat inzwischen herausgefunden, dass sie die Anomalie im Mittelpunkt der Schnittpunkte mehrerer Sphären befindet, auf die die Enterprise schon des Öfteren getroffen ist.
Hatte D'Jamat Recht? Sind diese Kugeln wirklich geschaffen worden, um die Delphic-Ausdehnung für eine andere Lebensform zu transformieren? Wenn dem so ist, ist der Pilot des Schiffes dann eine Art Versuchskaninchen, dass die Umweltbedingungen in der neuen Umgebung auskundschaften soll?

Derweilen findet in einem der Trainingsräume der Enterprise die erste Lektion in Sachen Selbstverteidigung statt. Nachdem Hayes die Grundschritte demonstriert hat, bilden sich kleine Gruppen, die diese Vorgehensweise ausprobieren sollen. Tucker bildet zusammen mit Cole ein Team - was T'Pol nicht so gern zu sehen scheint.
Reed und Hayes geraten wenig später erneut aneinander, als Travis von einem der MACOs im Training blutig geschlagen wird. Während der Major - und sogar Travis - das Ganze als nicht so tragisch ansehen, ist Reed außer sich und kann seine Wut nur schwer kontrollieren.
Am Abend gibt T'Pol Amanda eine Neuropressur. Im Gespräch zwischen den beiden Frauen stellt sich schnell heraus, dass sich Cole von Tucker offenbar angezogen fühlt - T'Pol kann ihre Eifersucht nur schwer unter ihrer emotionslosen Hülle verstecken.

Archer versucht inzwischen den Fremden auf der Krankenstation zum Reden zu bringen. Dieser sagt aus, er wisse nicht, was er in dieser Region des Alls soll. Angeblich war er ein Gefangener, der im Austausch für seine Freiheit an einem Experiment teilnehmen sollte. Worum es dabei aber geht, wüsste er auch nicht. Während dieser Unterhaltung, beginnt plötzlich der Arm des Fremden zu verschwinden und wieder aufzutauchen. Phlox untersucht ihn und stellt fest, dass er nicht mehr lange zu leben haben wird.

Nach der Neuropressurbehandlung Coles, ist Tucker an der Reihe. Schon bald bemerkt der Offizier, dass T'Pol auf ihn und Cole eifersüchtig zu sein scheint. Als er T'Pol daraufhin zur Rede stellt, entgegnet sie, dass sie von Sim, Trips Klon, wüsste, dass er etwas für sie empfindet.
Nach kurzem hin und her der beiden, scheint es T'Pol nicht mehr auszuhalten und küsst Trip - es folgt eine leidenschaftliche Liebesnacht.
Am nächsten Morgen treffen sich die beiden in der Offiziersmesse. Scheinbar ist es T'Pol äußerst unangenehm, darüber zu reden. Sie stellt das Ganze so dar, als sei es ihr Wunsch gewesen, die menschliche Sexualität zu erforschen - Trip ist davon jedoch nicht so recht überzeugt, jedoch kann er die Vulkanierin auch nicht davon überzeugen, mit der Wahrheit rauszurücken. Sie einigen sich darauf, so zu tun, als sei die letzte Nacht nie passiert.

Wieder im Trainingsraum der Enterprise. Reed versucht seine Wut über Hayes beim Schattenboxen loszuwerden, als der Major plötzlich den Raum betritt.
Er bietet sich dem Lieutenant als Sparringpartner an, was dieser natürlich dankend annimmt. Doch der zunächst freundschaftliche Kampf entwickelt sich bald zu einer handfesten Schlägerei, die erst endet, als die Männer auf ihre Stationen gerufen werden.
Der Fremde auf der Krankenstation hat Phlox überwältigt und ist geflohen. Ein Sicherheitsteam aus MACOs und regulären Offizieren macht sich auf die Suche nach dem Geflohenen.
Dieser kann offenbar durch Wände gehen und ist gegen das Phaserfeuer der Sicherheitsoffiziere immun. Ehe sich die Crew versieht, steht der Fremde im Maschinenraum und versucht den Warpreaktor zu überlasten. Nur durch die vereinten Kräfte von Hayes und Reed kann er aufgehalten werden.
Kurz bevor der Fremde stirbt, fragt Archer ihn wutentbrannt, warum er versuchte sein Schiff zu zerstören. Darauf entgegnet er:
"Wenn die Xindi die Erde zerstört haben, wird meine Spezies herrschen.". Kurz darauf verschwindet er im Nichts.

Mit einer Hand voll Rätsel setzt die Enterprise nun ihren Weg in Richtung Azati Prime fort.
 
Kritik:
War ja klar, dass es unser geliebtes kleines Sternenflottenschiff nicht einfach haben wird, nach Azati Prime zu kommen und somit war auch klar, dass in dieser Episode auch nicht die ultimative Auflösung der Xindi-Problematik auftaucht.
Jedoch fügt diese Folge dem Puzzle eine weiteres Teil hinzu, wirft aber gleichzeitig ein paar neue Fragen auf. Was will die andere Spezies in dieser Region des Weltalls, warum steht ihr die Erde dabei im Weg?

Nun, wie gesagt, es werden einige Fragen aufgeworfen und der Handlungsbogen erweitert.
Der Schwerpunkt der Episode liegt jedoch klar beim Konflikt zwischen Hayes und Reed bzw. zwischen T'Pol und Trip.
Der Sicherheitsoffizier kann Hayes nicht ausstehen, was sich schon zu Anfang der dritten Staffel zeigte, doch nun hat dieser Konflikt seinen Höhepunkt erreicht und entlädt sich in einem der besten Faustkämpfe, die man in Star Trek je gesehen hat. Endlich wird ein Kampf Mann gegen Mann mal nicht so lasch ausgetragen, wie es häufig in Star Trek der Fall war. Endlich mal ein Kampf, dem man nicht sofort ansah, dass er 1000 mal geprobt wurde, bis die Kamera eingeschaltet wurde - oh nein, hier geht es richtig hart zur Sache und damit ist dieser Kampf schon fast als ein Unikat in Star Trek zu betrachten - nicht einmal Kirk kann da mithalten!

Auf der anderen Seite erlebt die Tucker/T'Pol Beziehung eine "überraschende" Wende. Oh ja, und wie überraschend das war.
Mal ganz ehrlich, es war ja eigentlich schon fast abzusehen, dass sich da zwischen dem Commander und dem Subcommander etwas anbahnt. Zahllose Neuropressursitzungen gehen selbst an einer Frau wie T'Pol nicht spurlos vorbei.
Nun ja, heute ist es passiert und wenn mir diese Folge eine Sache gezeigt hat, dann, dass T'Pol weitaus weniger kühl zu sein scheint, als ich bisher angenommen habe - und da kann mir diese Vulkanierin noch so oft erzählen wollen, dass das alles nur aus "wissenschaftlichen Gründen" passiert ist.
Ich bin auf jedenfall gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird.

"Der Vorbote" bietet eigentlich für jeden etwas. Der Romantiker wird genauso bedient, wie der Actionfreund. Als netter Nebeneffekt wird die Handlung um die Xindi noch fortgesetzt, obwohl dieses Storyelement von den anderen beiden Handlungsfäden in den Hintergrund geschoben wird.

Spannung: 3/5 | Erotik: 1/5 | Anspruch: 2/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 3/5