Borderland

Originaltitel: Borderland
 
Staffel: 4
 
Note: 2-
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Ein klingonischer Bird of Prey bringt ein kleines Schiff mit zwei Menschen an Bord auf. Sofort werden die Insassen gefangen genommen, doch zur Überraschung der Klingonen sind ihre Gefangenen alles andere als wehrlos. Mühelos bemächtigen sich die beiden Männer des klingonischen Schiffen und setzen die Crew vor die Tür - im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Leichen der Klingonen werden gefunden und an ihren Körpern DNA-Reste von (fast) menschlicher Struktur gefunden. Schnell steht fest: Einige genetisch veränderte Menschen, wie es sie schon zu Zeiten der Eugenischen Kriege gab, sind aufgetaucht.
Die Enterprise erhält den Auftrag, den gestohlenen Bird of Prey zu finden. Archer erkennt sofort die Wichtigkeit dieser Mission, denn gelingt es der Sternenflotte nicht, die Piraten zur Rechenschaft zu ziehen, droht ein irdisch-klingonischer Krieg. Damit die Enterprise ihre Chancen erhöht, diese genetischen Supermänner zu finden, nimmt der Captain den inhaftierten Dr. Arik Soong mit auf die Reise.

Dieser brillante Genetiker arbeitete vor 10 Jahren auf "Cold Station 12" - jene Einrichtung, die die verbliebenen Embryonen der Eugenischen Kriege in Stase aufbewahrt. Er stahl einige von ihnen und zog sie auf einem abgelegenen Planeten wie seine eigenen Kinder auf. Jedoch wurde er verhaftet; nun arbeitet er in Gefangenschaft weiter an seinen Ideen und schreibt sie auf endlosen Seiten Papier nieder - ein PADD erhält er nicht, denn es gelang ihm schon mit Hilfe eines solches Gerätes die Schlössen seiner Zelle zu knacken.

An Bord des klingonischen Schiffes, befinden sich inzwischen etwa 20 der genetisch veränderten "Kinder" Dr. Soongs, die in der Zwischenzeit zu Erwachsenen geworden sind. Es kommt schon bald zu ersten Auseinandersetzungen zwischen Raakin, dem Anführer dieser Übermenschen und Malik, der den Überfall auf die Klingonen ohne Raakins Wissen durchführte.
Obwohl Raakin von dem Schiff und seinen Möglichkeiten beeindruckt ist, missfällt es ihm, dass Malik alle Anwesenden in Gefahr gebracht hat, denn die Klingonen werden seiner Meinung nach auf sie Jagd machen.

Die Enterprise ist derweilen bereit zum Abflug. Dr. Soong wird in vorerst in sein Quartier gesperrt, hat aber Zugriff zu medizinischen Daten, die es ihm ermöglichen könnten, mehr über den Entwicklungsstand seiner "Kinder" herauszufinden.
Auf der Brücke installiert Trip noch schnell den neuen verbesserten Stuhl des Captains. Archer übergibt T'Pol in der Zwischenzeit noch ein kleines Geschenk, um sie nun offiziell in der Sternenflotte (in der Position eines Commanders) willkommen zu heißen - denn immerhin trat sie vor einem Jahr aus dem vulkanischen Oberkommando aus, um auf der Suche nach den Xindi zu assistieren.

Nun geht die Reise los. Die Enterprise begibt sich in das Grenzland zwischen Klingonischem Imperium und dem Orion-Syndikat - dort wurde der Bird of Prey überfallen.
Doch es dauert nicht lange, da wird auch das Sternenflottenschiff angegriffen. Doch diesmal nicht von genetisch veränderten Menschen, sondern von Orionern. Obwohl sich die Enterprise tapfer verteidigt, gelingt es den Orionern mehrere Crewmitglieder - darunter T'Pol - von Bord zu beamen. Nach dieser Entführung, ziehen sich die Angreifer zurück.
Archer begibt sich zu Soong. Da dieser das Gebiet besser kennt, kann er dem Captain helfen, seine Besatzungsmitglieder wieder zu finden. Der Wissenschaftler erzählt Archer, dass sie wahrscheinlich auf einem Sklavenmarkt verkauft werden. Da sich der nächstgelegene auf Varix III befindet, lässt Jonathan sofort einen Kurs dahin setzen. Soong bietet dem Captain sogar an, ihm zu helfen, sich Zugang zu diesem Markt zu verschaffen, den sonst nur vertrauenswürdige Händler betreten dürfen.

Auf dem Bord of Prey spitzt sich die Lage derweilen zu. Malik glaubt, dass Raakin nicht in der Lage ist, die Truppe anzuführen. Er vertraut seine Ideen von einem "Machtwechsel" Persis - der Freundin von Raakin - an, denn er weiß, dass sie in Wirklichkeit ihn liebt und nicht Raakin.

Archer und Soong sind derweilen auf den Planeten Varix III gebeamt, um sich Zugang zum Sklavenmarkt zu verschaffen. Es dauert auch nicht lange, da finden sich die ersten entführten Crewmitglieder. An ihren Hälsen wurde ein neuraler Transceiver befestigt, der es ihnen unmöglich macht zu fliehen. Glücklicherweise schafft es Archer einen Entführten nach dem anderen freizukaufen - nur bei T'Pol hat er Pech, denn diese wurde schon einen Terrelianer verkauft.
Während Phlox auf der Enterprise bei allen Geretteten die Transceiver entfernt, müssen Archer und Soong noch einen Weg finden, T'Pol zur Flucht zu verhelfen.
Beide verschaffen sich Zugang zur Transceiver-Kontroll-Station und deaktivieren sie. Als die Sklaven auf dem Markt entdecken, dass die Kontrollgeräte nicht mehr funktionieren, bricht eine Revolte los, in deren Verlauf die Vulkanierin fliehen kann. Doch dummerweise sieht auch Soong seinen Moment gekommen und versucht zu fliehen. Doch Archer wäre nicht der Captain eines Raumschiffes, wenn es ihm nicht gelingen würde, den Flüchtigen zu fassen.

In der Arrestzelle stellt Archer Soong zur Rede. Er wirft ihm vor, dass er den Überfall auf die Enterprise durch die Orioner geplant habe, in der Hoffnung, dass auch er entführt werden würde und so fliehen kann. Während dieses Gespräches, entwickelt sich eine interessante Diskussion über das Für und Wider der Genmanipulation. Soong versucht Archer klar zu machen, dass die genetische Manipulation eine große Zukunft hat. Immerhin könnte man damit auch viele Krankheiten heilen.
Da wird das Schiff plötzlich erneut angegriffen. Es sind wieder die Orioner, doch diesmal kommt dem Sternenflottenschiff ganz unverhofft Hilfe von dem gekaperten Bird of Prey. Nachdem die Angreifer in die Flucht geschlagen wurden, bitten die genetischen Übermenschen andocken zu dürfen. Obwohl Archer zunächst Bedenken hat, gibt er die Erlaubnis - was er nicht weiß: Der von Malik angestrebte "Machtwechsel" hat inzwischen stattgefunden und leider ist Malik nicht so gemäßigt eingestellt, wie sein Vorgänger. Er weiß, dass sich Soong an Bord der Enterprise befindet. Und als sich Archer widersetzt, ihn auszuliefern, übernehmen die genetischen Übermenschen auch das Sternenflottenschiff. Doch diesmal wird die Crew nicht getötet. Nachdem man Soong befreit und an Bord des Bird of Preys geschafft hat, übergibt man Archer wieder sein Schiff.

Das klingonische Schiff geht nun auf Warp und verschwindet, noch bevor Archer etwas dagegen tun kann.
 
Kritik:
"Borderland" markiert den Beginn einer neuen Storylinie bei "Enterprise". Nachdem das Konzept des staffelübergreifenden Handlungsbogens (wie bei Deep Space Nine) nicht aufgegangen ist, besann man sich bei Paramount auf mehrere kleine Mini-Handlungsbögen. Die Geschichte um die Eugenischen Kriege und deren Hinterlassenschaften ist nicht nur interessant, sondern auch echtes Neuland für Star Trek.
Sicher, es gab Zeiten, in denen diese Kriege erwähnt wurden - aber seien wir mal ehrlich - das ist jetzt 22 Jahre her ("Der Zorn des Khan"). In einer Serie wurde die Thematik zuletzt zu Zeiten von TOS behandelt - es wurde also höchste Zeit, mal wieder was davon zu sehen.

Wie ich bereits sagte, bildet diese Episode den Auftakt dieses Handlungsbogens. Es ist also verständlich, dass ein Großteil der Laufzeit von 45 Minuten erstmal damit verbracht wird, uns die Ausgangssituation zu erklären. Bei diesem Vorgang gibt es im Grunde nur ein Highlight - Brent Spiner als Dr. Arik Soong.
Spiner war schon als Data einsame Spitze, aber ich kann mit ruhigem Gewissen behaupten, dass er mir als Soong ebenso gut gefällt. Endlich hat dieser Mann einmal die Möglichkeit menschliche Emotionen darzustellen - und zwar nicht nur im Rahmen seines Experimentes menschlicher zu werden (siehe Data), sondern als "vollwertiger" Mensch. Besonders genial spielte er, meiner Meinung nach, die Szenen, in denen Soong seinen Sarkasmus voll ausleben konnte. Eine wahre Bereicherung für die Serie.

Außerdem muss ich die Tatsache loben, dass wir nach Jahren endlich einmal wieder die Orioner zu Gesicht bekommen - und diesmal nicht nur die Frauen. Besonders beeindruckt hat mich hier der Sklavenwärter, der T'Pol zur Versteigerung brachte. Der Darsteller, der sich zu Recht "Big Show" nennt, hätte einem Klingonen, oder einem Nausicaaner alle Ehre gemacht.

Das zweite Highlight dieser Episode ist in den Gesprächen zwischen Phlox und Soong bzw. Archer und Soong versteckt. Ganz geschickt wird hier über das Für und Wider der Genmanipulation diskutiert. Beide Seiten legen ihre Positionen schlüssig dar. Archer bzw. Phlox argumentiert, dass durch die Manipulation der DNA gefährliche Wesen geschaffen werden können, die unter Umständen zur Zerstörung einer Zivilisation führen können (die Eugenischen Kriege dienen hier als Beispiel). Soong hingegen glaubt, dass man das Wissen dazu einsetzten kann, um Krankheiten zu heilen. Archer dient ihm hier als perfekter Ansprechpartner, denn immerhin ist sein Vater an einer Krankheit gestorben, die mit Hilfe der DNA-Manipulation hätte besiegt werden können.
Durch diese beiden plausiblen Standpunkt wird es vermieden, die jeweils andere Seite als die "falsche" Wahl dastehen zu lassen. So entsteht auch beim Zuschauer ein Verständnis für beide Meinungen und regt zum Nachdenken an. Wunderbar gemacht!

"Borderland" ist eine durchaus interessante Episode, die ihre Stärke vor allen durch Spiner gewinnt. Jeder, der seine Darstellung des "Data" in "The Next Generation" mochte, wird ihn auch hier lieben!

Spannung: 3/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 2/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 3/5