Kir'Shara

Originaltitel: Kir'Shara
 
Staffel: 4
 
Note: 2+
 
Kritik von: Alex Bernhardt
 
 
 
 
 

Inhalt:
Während die Enterprise in Richtung Andoria fliegt, bereitet V'Las seinen Angriff auf diesen Planeten vor - und das obwohl sich andere Mitglieder des Oberkommandos nicht sicher sind, ob sie den Berichten über angebliche Xindi-Waffen in andorianischen Händen trauen können.
Archer, T'Pau und T'Pol haben sich inzwischen zu Fuß auf den Weg Richtung Hauptstadt gemacht, um dem Oberkommando die Kir'Shara zu überbringen. Der Captain und T'Pau sind sich sicher, was sie tun, nur T'Pol zweifelt an dem Plan, denn sie versteht nicht, inwieweit dies helfen soll. T'Pau erklärt es der Frau:
Die Kir'Shara ist das einzige Original von Suraks Schriften. Bisher galt es als Mythos. Wenn dem Oberkommando bewusst wird, dass sie sich von Suraks wahren Lehren entfernt haben, sobald sie dieses Artefakt sehen, wird nicht nur die Inquisition gegen die Syyrranniten beendet, sondern gleichzeitig eine Restauration der Gesellschaft eingeleitet.

Auf der Enterprise hat Trip seinen Plan, nach Andoria zu fliegen inzwischen geändert, denn es gibt keine Garantie, dass die imperialen Wachen den Worten des Commanders glauben schenken. Glücklicherweise gibt es noch Shran, der zu den Wenigen gehört, die vielleicht zuhören werden. Mit Hilfe von Soval kann Shran auch nahe des andorianischen Raumes lokalisiert werden. Als dieser von Soval erfährt, dass die Vulkanier einen Angriff vorbereiten, ist er natürlich - um es milde auszudrücken - sehr skeptisch, denn kein Vulkanier würde seine eigenen Leute verraten. Doch mit der Zeit verschwinden Shrans Zweifel und er zieht die Richtigkeit der Geschichte zumindest in Betracht; er kehrt auf sein Schiff zurück, um sich mit seinen Vorgesetzten zu beraten.

Beim vulkanischen Oberkommando geht inzwischen das Gerücht um, dass Archer und seine Begleiter die Kir'Shara gefunden haben. Während einige der Ratsmitglieder immer mehr an V'Las Angriffsplan zweifeln, versucht dieser seine Ideen mit aller Macht in die Tat umzusetzen; dabei geht er sogar so weit, dass er ein Killerkommando losschickt, dass das Trio um Archer töten soll, bevor sie die Hauptstadt erreichen.

Archer und seine Begleiter kommen trotz der Hitze recht gut voran, obwohl dem Menschen das Klima mehr zu schaffen macht, als den beiden Vulkanierinnen. Während einer Pause nutzen T'Pol und T'Pau die Zeit für ein Gespräch. T'Pol trauert noch immer um ihre Mutter und macht indirekt die Syyrranniten dafür verantwortlich. Im Verlaufe der Unterhaltung versucht T'Pau der Frau klar zumachen, dass es T'Les' eigene Entscheidung war, den Syyrranniten beizutreten. T'Pau bietet T'Pol an, sich mit ihr per Geistesverschmelzung zubinden, um zu verstehen, warum ihre Mutter so gehandelt hat. Doch T'Pol lehnt ab. Sie erklärt T'Pau, dass sie vor einigen Jahren zu einer Verschmelzung gezwungen wurde und sie sich dabei das P'Nar-Syndrom zuzog, das ja bekanntermaßen unheilbar ist.
T'Pau jedoch möchte die Geistesverschmelzung dennoch durchführen. Sie erklärt, dass die Unheilbarkeit des P'Nar-Syndroms eine der vielen Lügen sei, die das Oberkommando propagierte. Ein erfahrener "Schmelzer" jedoch kann das neurale Ungleichgewicht stabilisieren und die Krankheit heilen. T'Pol, noch völlig überrascht von dieser Erkenntnis, stimmt der Prozedur zu.

Auf der Enterprise warten Trip und seine Kollegen derweilen auf eine Nachricht von Shran. Was die Sternenflottenoffiziere nicht wissen: Die Andorianer haben inzwischen die Transportertechnologie entwickelt und Soval gekidnappt. Der Vulkanier wird an einen sonderbaren Stuhl gebunden. Laut Aussage Shrans besitzt dieser die Fähigkeit, die Emotionen von Vulkaniern wieder an die Oberfläche zu bringen, was das Verhör um einiges leichter macht. Soval versteht jedoch den Grund seiner Entführung nicht.
Da erklärt ihm Shran, das er nicht glaubt, dass die Vulkanier wirklich einen Angriff planen. Anscheinend soll Soval nur als Ablenkung dienen, damit die Spitzohren ungehindert eine ihrer vielen geheimen Operationen durchführen können.
Das Verhör beginnt und Soval kann seine Emotionen nur noch schwer kontrollieren. Shran stellt immer und immer wieder dieselben Fragen, doch Soval beteuert, die Wahrheit zu sagen, wenn er über den bevorstehenden Angriff spricht.
Als die Energie des Stuhles immer höher gedreht wird und Soval vor Schmerzen nur noch schreit, fleht in Shran an, ihm endlich zu sagen, was er wissen will, damit diese Sache ein Ende haben kann - doch Soval bleibt stur, denn er wird nicht lügen, nur um freizukommen.
Auf der Enterprise hat man das Verschwinden des Vulkaniers inzwischen bemerkt, was zu einem kleinen Feuergefecht führt.
Shran ist jedoch plötzlich davon überzeugt, dass Soval tatsächlich die Wahrheit gesagt hat. Er lässt ihn frei und bringt ihn zurück zur Enterprise. Nach einem Gespräch zwischen Shran und Tucker, ist der Andorianer bereit, die Flotte der imperialen Wache ausrücken zu lassen, um die Armada der Vulkanier abzufangen.

Das Trio in der Wüste ist in der Zwischenzeit auf eines von V'Las' Killerkommandos getroffen. Nur mit viel Mühe und ein wenig Glück gelingt es Archer und T'Pau zu fliehen, während T'Pol gefangen genommen und zu V'Las gebracht wird.
Gerade als er sich über seinen vermeintlichen Sieg über die Syyrranniten und die Andorianer freuen will, erhält V'Las die Botschaft, dass sich sieben Schiffe kurz vor der andorianischen Grenze, direkt im Weg der ankommenden vulkanischen Flotte, versammelt haben; das Besondere dabei: Unter diesen Schiffen befindet sich auch die Enterprise.
Der Plan Tuckers sieht vor, dass die Vulkanier nicht auf eines der Schiffe ihrer Alliierten feuern werden - Malcolm ist skeptisch, und das zu recht, denn beim letzten Mal hat es auch nicht geklappt.
Als sowohl die Vulkanier als auch die Andorianer ihre Waffen hochfahren, befiehlt Trip, die Enterprise zwischen beide Flotten zu setzen, um einen Kampf zu verhindern.

In einem letzten Versuch, die Sache friedlich zu regeln, kontaktet Tucker V'Las und klärt ihn darüber auf, dass die Sternenflotte bescheid weiß, falls die Enterprise zerstört wird, wer dafür verantwortlich ist. Doch V'Las hört nicht und die vulkanischen Schiffe eröffnen das Feuer - zunächst nur auf die andorianischen Schiffe. Doch als die Enterprise einem in Not geratenen Schiff der Andorianer hilft, wird auch sie von den Vulkaniern unter Beschuss genommen. Obwohl nun alle Ratsmitglieder gegen V'Las und seine Entscheidungen protestieren, ist jeglicher Widerstand zwecklos und die "aufmüpfigen" Mitglieder des Rates, werden kurzerhand unter Arrest gestellt.

Da schwingen die Türen der Raumes auf und zwei Gestalten in langen Kutten treten herein: Es sind Archer und T'Pau. Sie präsentieren den Anwesenden die Kir'Shara. V'Las verliert die Kontrolle über die Situation und die Ratsmitglieder, die eben noch unter Arrest standen, entheben V'Las des Kommandos und rufen die Schiffe zurück.
Der Krieg wurde verhindert!

Etwas später auf der Enterprise: Während Archer Suraks Kathra entfernt bekommt und T'Pol sich in ihrem Quartier von den Strapazen der letzten Tage erholt, klingelt es plötzlich an der Tür, es ist Kos, ihr Mann. Wie wir erfahren, war es sein Transportercode, der es Archer und T'Pau erlaubte, sich direkt in das Gebäude des Oberkommandos zu beamen. Während seines Besuches, verkündet Kos, das er die Ehe zwischen ihm und T'Pol auflösen wird. Er weiß, dass sie ihn nur geheiratet hat, um ihre Mutter wieder ins Wissenschaftsministerium zu bringen.

Auf Vulkan stößt die Entdeckung der Kir'Shara inzwischen auf große Resonanz. Die gesamte Gesellschaft scheint einer Reform zu unterliegen, die das Ziel hat, zurück zu Suraks wahren Lehren zu finden. Doch nicht nur das: Durch die Entdeckung der Kir'Shara haben die Vulkanier erkannt, dass es Zeit für die Menschen wird, auf eigenen Beinen zu stehen - ohne durch die Vulkanier bevormundet zu werden; eine neue Ära scheint nun angebrochen zu sein!

Inzwischen irgendwo in einer Höhle:
V'Las unterhält sich mit einer mysteriösen Gestalt, die im Schatten bleibt. Ihr Plan wurde verhindert und der Fremde sagt aus, dass er Vulkan nun schnellstens verlassen müsste, da seine Position in Gefahr sei. Ferner sagt er, dass sich V'Las keine Sorgen machen solle, denn die Wiedervereinigung der Völker sei nur eine Frage der Zeit - da tritt der Fremde aus dem Schatten heraus: Es ist ein Romulaner!!
 
Kritik:
Wow, was für ein Finale! Spannung bis zur letzten Minute und eine - mehr als überraschende Wende - kurz vor Schluss!

"Kir'Shara" bildet den Höhepunkt und gleichzeitig den Abschluss der zweiten Trilogie innerhalb der vierten Staffel. Ich kann mit gutem Gewissen sagen, dass diese um vielen besser war, als die Geschichte um die genetisch Aufgewerteten.
Diese Episode wirkt in sich geschlossen, obwohl sie nur 1/3 der Gesamtgeschichte darstellt. Die Erzählung ist flüssig und weißt keine größeren Engpässe auf. Eine wirklich gelungene Arbeit.
Diese Geschichte hat uns einen tiefen Einblick in die Gesellschaft der Vulkanier gegeben. Wir haben erfahren, wie genau es sich mit Suraks Lehren verhält und - ich erwähnte es schon in einer früheren Kritik - warum sich die Vulkanier in "Enterprise" bisher so anders verhielten, als jene, die wir aus anderen Serien kennen. Doch damit nicht genug; quasi als Bonus wird der Erde nun die volle Souveränität gestattet, die sie in den 100 Jahren, in den der Kontakt zu Vulkaniern nun schon besteht, nicht genießen konnte. Keine Einschränkungen bei der Forschung mehr, keine Vulkanier, die einem prüfend über die Schulter sehen und vor allen Dingen hat die Erde nun die Chance, sich stärker in die interplanetare Politik einzubringen - ein sehr wichtiger Schritt in Richtung Föderation!

Mit dem Auftreten der Romulaner hat, so denke ich, niemand gerechnet. Diese letzte Szene bietet nun viel Raum für Spekulationen: Ist V'Las selbst ein Romulaner? Befand sich vielleicht sogar ein getarntes Schiff im Orbit? Gibt es noch mehr Romulaner auf Vulkan? Fragen über Fragen und leider keine Antwort in Sicht. Die Frage der Wiedervereinigung beider Völker ist ja auch Thema, mit dem sich TNG schon auseinander gesetzt hat - vielleicht wird bald noch ein weiterer Stein in dieses Puzzle eingesetzt...

Man darf diese Kritik nicht abschließen, ohne die hervorragende Schauspielleistung von Gary Graham (Soval) zu erwähnen. Bisher hatte er nur die Möglichkeit, den vulkanischen Botschafter zu spielen, der möglichst keine Miene verzieht. Auch als er sich gegen V'Las auflehnt, bleibt sein Gesicht fast starr, aber als er auf diesem Folterstuhl von Shran sitzt, kann dieser Mann sein ganzes Talent unter Beweis stellen. Die hervorbrechenden Emotionen, gepaart mit dem Schmerz und dem gleichzeitigen Willen, Shran nicht die Genugtuung zu geben, das zu bekommen, was er will, sind so fantastisch gespielt, dass man fast glauben könnte, dieser Stuhl wäre Realität!

Ebenso wie Soval, hat auch T'Pol (wieder einmal) eine kleine Änderung erfahren. Sie scheint sich nach dem Gespräch mit T'Pau wirklich als Syyrrannite zu fühlen, was auch an einer späteren Äußerung erkennbar ist. Nicht zuletzt durch die Heilung ihres P'Nar-Syndroms könnte sich T'Pol also nun verpflichtet fühlen, die Lehren von Surak genauer zu studieren, um den Punkt der Syyrranniten zu verstehen und letztendlich selber diese Meinung zu vertreten.

"Kir'Shara" ist eine hervorragende Episode, die uns zeigt, was aus einer Gesellschaft werden kann, die ihre eigenen Regeln vergisst und alles tut, um ihre egoistischen Ziele zu erreichen - auch hier wieder eine Vorstellung, die auf beängstigende Weise Realität geworden ist.

Spannung: 3,5/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 3,5/5 | Humor: 0/5 | Inhalt: 4/5