Der Wächter

Originaltitel: The Last Outpost
 
Staffel: 1
 
Note: 3
 
Kritik von: Benjamin Sommer
 
 
 
 
 

Inhalt:
Die Enterprise verfolgt ein Ferengi-Schiff, welches einen T-9 Energie-Konverter gestohlen hat. Die Verfolgung endet im Orbit um Delphi Ardu, als der Enterprise jegliche Energie abgezapft wird. Das Antriebsystem ist ausser Kraft gesetzt, da jeglicher Einsatz von Energie durch einen Gegenreaktion unterbunden wird.
Nach einem Versuch zu fliehen, oder wenigstens mit den Ferengi zu kommunizieren, empfiehlt Troi sich mehr auf den Planeten zu konzentrieren.
Aufgrund einer Besprechung mit den Führungsoffizieren, überwindet sich Picard die Ferengi zu bitten einen Dialog aufzunehmen.

Diese wiederrum gehen davon aus, die Enterprise würde ihre Kapitualtion einfordern wollen. Es stellt sich heraus, dass die Ferengi ebenfalls ein Energie-Problem zu haben scheinen, welches wahrscheinlich durch den Planeten bedingt ist. Data findet heraus, dass der Planet ein Aussenposten des mächtigen "T'Kon-Imperiums" war, welches vor mehreren Jahrhunderten unterging.
Scheinber zapft eine leistungsfähige Vorrichtung auf der Oberfläche die Energie beider Schiffe an. Die Ferengi gelangen zu der gleichen Ansicht, und so kann sie Picard zu einem Informationaustausch und einem gemeinsamen Forschungseinsatz auf der Oberfläche überreden.
Das Aussenteam der Enterprise wird jedoch durch eine Fehlfunktion im Transporter zerstreut auf die Oberfläche gebeamt. Riker kann gerade noch Data und LaForge entdecken, während Yar und Worf weiterhin vermisst werden. Letztere werden von den aggressiven Ferengi angeschleppt, nachdem diese das Aussenteam vorrübergehend betäubt haben.
Es kommt zur Eskalation, die nur noch von Yar, bewaffnet mit einem Phaser, aufgehalten werden kann. Auf der Enterprise veschlimmert sich die Lage derweilen zunehmend. Die Energieversorgung für die Lebenserhaltung bricht zusammen, die Temperatur sinkt immer weiter.

Auf der Oberfläche erscheint dem Aussenteam und den drei Ferengi ein Wesen, dass sich selbst "der Wächter" nennt. Der ganze Planet entpuppt sich als eine grosse Formation, die das Kraftfeld erzeugt, welches die Energie der Schiffe im Orbit abzieht. Die Ferengi versuchen den Wächter gegen die Menschen aufzustacheln.
Der Wächter bleibt jedoch objektiv, er ist immer noch seinem T`Kon Imperium verpflichtet. Er fordert Riker zu einer Prüfung auf und ist von dessen Argumentation, einem alten Sprichwort, fasziniert und wird neugierig gegenüber der Menschheit. Gleichzeitig gibt er die Enterprise frei, das Schiff erhält seine volle Energieversorgung zurück. Riker setzt sich mehr oder weniger begeistert für die Ferengi ein, um damit auch ihr Schiff wieder freizugeben. Im Gegenzug dazu müssen die Ferengi den T-9 wieder herausgeben.
 
Kritik:
Diese Folge ist für mich die erste wirklich interessante Episode, nach "Encounter at Farpoint". "Naked Now" und "Code of Honor" sind sehr gut zum Eingewöhnen in das neue Konzept, sind aber sehr "brav" und wirken nicht experimentierfreudig.
Nichts desto trotz ist "The Last Outpost" der erste Schritt in das TNG, wie wir es heute kennen.

Die Vorstellung der Ferengi kennzeichnet diese Episode, trotzdem gibt es noch andere Aspekte, die sicherlich beleuchtet werden sollten.
Neben inhaltlichen Mankos merkt man, dass eine klare Struktur mancher Charaktere noch nicht festgelegt ist. Brent Spiner zum Beispiel, hat bemerkenswerte Schwierigkeiten den Data, wie er sich im späteren Verlauf der Serie darstellen wird, zu verkörpern. Vermutlich liegt das aber zumeist am Script, welches festlegt, dass sich ein überlegener Android zum einen falsch Ausdrückt und z.T. ziemlich taktlos wirkt und sich zum Anderen von einer simplen Fingerfalle reinlegen lässt. Ausserdem hätte Riker später auf der Planetenoberfläche die anderen Mitglieder leicht über seinen Kommunikator ausfindig machen können, und den gibt es nicht erst seit den ersten TNG-Schritten.
Auffallend sind auch immer wieder die, für die 1. TNG-Staffel typischen, Story-unabhängigen "Einspieler" wie die Diskussion über Flaggen, bzw. dem Vergleich der Ferengi mit alten Piraten und Kapitalisten. Diese völlig unpassenden Szenen mögen dem Einen gefallen, aber auf mich wirken sie wie ein verfrühter Werbebreak.

Ansonsten ist die Episode grundsolide aufgebaut und die Story genehmigt sich, ausser den erwähnten Schnitzern, keine Verschnaufpausen. Die Folge setzt umgehend mit der Verfolgung der Ferengi ein und hört prompt mit deren "Abflug" wieder auf. Es passiert viel in den 45 Minuten und es kommt kaum Unharmonik auf. Man merkt, dass die Kernpbesetzung nocht nicht so aufeinander eingespielt ist, die Charaktere kennen sich kaum.
Interessant jedoch, dass schon jetzt immer wieder die Beziehung zwischen Picard und Crusher herausgearbeitet wird. Um so mehr war es Schade, dass McFadden (Crusher) für eine Staffel ausfiel.

Sehr gut (und wohl ironischerweise aus der Not heraus entstanden - mangels Geld für eine zusätzliche Ferengi-Requisite) ist immer wieder die Unterredung von Picard, und einen auf den Haupbildschrim übermäßig gross projeziertem Daimon Taar. Eine sehr schöne Einstellung ist, wie Picard ohne Hintergrund vor Taars riesigem Gesicht agiert. Die Szene gibt den meist so unterwürfig wirkendem Ferengi eine gewisse Bedrohlichkeit die sich auch nicht verleugnen lässt.
Alles in allem eine Episode die damals Lust auf mehr gemacht haben sollte. Keine Innovation zwar, jedoch macht die Einführung einer neuen Rasse einiges an Potential wett.

Geschwächt wird der Gesamteindruck z.T. durch die oben erwähnten Fehler, die sich aber im Nachhinein leicht auf die sehr junge Serienentwicklung schieben lassen.
Nach sieben Staffeln TNG kann sich auch diese Episode aufgrund des hohen Anspruchs nur ins Mittelfeld retten.

Spannung: 3/5 | Erotik: 0/5 | Anspruch: 2/5 | Humor: 1/5 | Inhalt: 2/5